AFS Erfahrungsbericht - Bolivien
Julia, Bolivien 2009/10
„Bolivien ist das schönste Land, das ich bisher gesehen habe.."
Hola! Ich wohne seit einem halben Jahr im wunderschönen Santa Cruz de la Sierra, Bolivien mit meiner “neuen” Familie. Meinem 47-jährigen Papa Jaime, meiner 47-jährigen Mama Susan und meiner kleinen 12-jährigen Schwester Natalia.
Mit meinen Eltern und meiner Schwester wohne ich in einer großen, modernen Wohnung, in der ich mich sofort wohl gefühlt habe. Morgens, gegen 7, stehen wir zusammen auf, frühstücken und mein Papa bringt mich und meine kleine Schwester zur Schule. Das Fertigmachen geht schnell, denn morgens brauche ich mir keine Gedanken mehr zu machen, was ich anziehe, denn Schuluniform ist in Bolivien Pflicht. Normalerweise fängt die Schule um viertel vor 8 an, aber die Hälfte meines Kurses kommt sowieso zu spät, bolivianische Zeit eben. Aber man gewöhnt sich an alles und jetzt komme ich oft selbst schon zu spät. Jeden Tag habe ich bis halb vier Schule, ungewöhnlich für Santa Cruz, denn wegen der Wärme gehen die meisten Schulen nur bis um halb eins. Nach der Schule mache ich Hausaufgaben, lerne oder gehe mit meinen Eltern in die Stadt.
Dreimal die Woche habe ich abends Tanzstunden, lateinamerikanische Tänze: Salsa, Merengue etc. Gegen halb neun Uhr abends komme ich nach Hause, rede ab und zu noch mit meinen Eltern über den Tag und was es Neues gibt und gehe schlafen. Freitag und Samstag abends gehe ich meistens weg unter anderem ins Kino, zu Freunden nach Hause, zu einem „Junte“, so werden hier Kurstreffen genannt oder in die Disko, die hier wirklich anders ist als in Deutschland. Zum Beispiel die Musik, es wird eigentlich nur spanische Musik gespielt und die Disko ist viel eleganter als in Deutschland, Mädchen gehen oft mit Kleidern und hohe Schuhe sind Pflicht.
Bis Mitte November hatte ich Schule und dann fingen die großen Ferien an, die Sommerferien, die hier zweieinhalb Monate dauern. Vorher hatte ich Angst. Angst davor, mich zu langweilen, die Tage zu Hause zu verbringen und nichts zu machen. Angst davor, dass meine Freunde mich vergessen würden. Doch meine Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet, keine Langeweile, mit meinen Freunden verstehe ich mich immer besser und jetzt fehlen nur noch 3 Wochen bis die Schule wieder anfängt.
Mit AFS sind wir zum Titicacasee gefahren, dem höchsten beschiffbaren See der Welt. Wir haben alte Inkaruinen besucht und typisches Essen der Aymara probiert. Und mit meiner Familie bin ich für zehn Tage nach La Paz gefahren, um meine Tanten und Onkel zu besuchen und Weihnachten mit ihnen zu feiern. Weihnachten ist hier anders, erstmal kam bei 30 Grad und Plastiktannenbaum in Santa Cruz gar keine vorweihnachtliche Stimmung auf. Weihnachten an sich war zwar recht schön, aber allgemein kann man sagen, dass es nicht so groß gefeiert wird wie in Deutschland. Außerdem wird Weihnachten in La Paz am 25. gefeiert, aber selbst innerhalb Boliviens unterscheiden sich die Traditionen. Um halb 8 Uhr morgens wurde ich von meinen kleinen Cousins und Cousinen geweckt, denn die Regel meiner Familie besagt, dass keiner seine Geschenke aufmachen darf, bevor nicht alle da sind. Es gab nicht viele Geschenke, aber dafür schöne. Typische bolivianische Sachen, ein Schal aus Alpaka zum Beispiel, ein paar bolivianische Süßigkeiten und andere Kleinigkeiten. Das Fest ging bis abends und das war Weihnachten. Recht schnell vorüber alles. Kurz vor Silvester ging es dann wieder zurück in Richtung Santa Cruz, um die großen Neujahrspartys nicht zu verpassen. Ich bin mit vier Freundinnen zu einer Party von mehreren Schulen, unter anderem auch meiner, gegangen. Irgendwie haben wir dann die Zeit vergessen und auf einmal wurde schon runtergezählt: “diez, nueve, ocho, siete, seis, cinco, cuatro, tres, dos, uno... FELIZ AÑO NUEVO“. Alle haben sich gratuliert, von weitem sah ich ein Feuerwerk und die Party ging weiter. Aber alles in allem habe ich aber das beste Silvester meines Lebens verbracht.
Ich kann wirklich sagen, dass ich den Traum meines Austauschjahres, hier in Bolivien, verwirkliche. Vorher hätte ich nie damit gerechnet nach Bolivien zu gehen und ich wusste nicht viel über dieses Land. Aber jetzt kann ich sagen, dass Bolivien das schönste Land ist, das ich bisher gesehen habe und ich bin froh, dass mich noch einmal fünf Monate hier erwarten, aber auch gleichzeitig traurig, dass die Zeit hier so schnell vergeht.





