AFS Erfahrungsbericht - Honduras
Tim, Honduras 2009/10
„Meine Gastfamilie hat mir das Eingewöhnen in Honduras sehr erleichtert...“
Ich weiß nicht mehr genau, was ich der Stewardess auf dem Rückflug nach Deutschland geantwortet habe als sie mich fragte ob ich etwas zum Trinken haben möchte, aber ich erinnere mich noch genau an ihren verwirrten Gesichtsausdruck nach meiner Antwort, denn mir selbst war auch erst gar nicht bewusst, dass ich ihr auf Spanisch geantwortet hatte. Aber auch sonst war irgendwie alles komisch hier. Die Leute waren auf einmal wieder alle so groß, in den Straßen von Berlin liefen die Menschen in riesigen, chaotischen Strömen durch die Stadt, als wenn es nichts Normaleres gäbe. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich in einer ganz anderen Welt gelandet war. Aber da erinnerte ich mich, dass ich genau so etwas eigentlich schon mal erlebt hatte, nur fand ich es damals eher ungewöhnlich, dass mich auf der Straße irgendwelche vollkommen fremden Menschen anstarrten, auch konnte ich mir ein Leben ohne dieses chaotische Großstadtwusel gar nicht vorstellen und irgendwie wirkten diese höchstens zweistöckigen Häuser alle zu klein. Aber auch die Menschen, dieses leichte unbekümmerte Völkchen, das scheinbar durch nichts wirklich aus der Ruhe zu bringen war. Und genau jenes Völkchen war der Grund dafür, dass es mir dann so einfach viel dieses Land so kennenzulernen und zu lieben, wie ich es jetzt tue.
Besonders war daran natürlich meine Gastfamilie beteiligt, ich glaube als wir uns das erste Mal begegneten waren sie genauso verblüfft wie ich und mindestens genauso fasziniert. Aber das verblüffen machte schnell einer unglaublich herzlichen und wohlwollenden Art Platz, die mir von Anfang an dieses wundervolle Gefühl von Vertraut- und Erwünschtheit gab, das mich das ganze Jahr und auch heute noch begleitet. Ja, meine Gastfamilie hat sich wirklich alle Mühe mit mir gegeben. Mein Gastvater hat für mich extra alle möglichen tropischen Früchte angeschleppt von denen er glaubte, dass ich sie noch nie zuvor probiert hätte, meine Gastmutter hat ständig mit mir über alles Mögliche geredet, von ihrer Kleidung bis hin zu meiner Schule, und sie hat sich ständig um mich gesorgt und gefragt, ob alles mit mir in Ordnung sei. Sogar meine kleinen Gastschwestern sind gut mit mir ausgekommen, auch wenn wir anfangs ein paar kleinere Probleme hatten. Für mich sind wir auch extra zu vielen verschiedenen touristischen Orten und Attraktionen gefahren und auch ansonsten haben sie immer alles getan um mir zu helfen und mir das Land und ihre Kultur näher zu bringen.
Ebenfalls eine sehr große Hilfe waren die Leute aus meiner Schule. Meine Schule war von Anfang an etwas ganz besonderes für mich, genauso wie in meiner Gastfamilie habe ich mich von Anfang an wohl gefühlt, vor allem dank meiner tollen und verständnisvollen Klassenkameraden, die sich nie über mich lustig machten, sondern immer alles taten um mir zu helfen. Meine Schule war immer wie eine große zweite Familie für mich, in der ich auch viele meiner besten Freunde kennen gelernt habe.
Besonders positiv war auch das Land selbst. Das von AFS organisierte Treffen in Copán war ein guter Anstoß um das Land näher kennenzulernen, und einmal damit angefangen konnte ich nicht genug davon bekommen. Ich besuchte immer mehr Orte des Landes und war von der gigantischen Vielfalt des Landes immer wieder aufs Neue fasziniert. Hohe Gebirge, weiße Sandstrände, verschlafene Dörfchen, Großstädte voller Leben, tropische Regenwälder... es gab einfach alles und es war wirklich ein riesen Spaß.
Ja, eigentlich war alles was ich erlebte positiv, egal ob mit der Familie im Stadion, mit Klassenkameraden auf Exkursion, auf Tauchtour in der Karibik oder mit Freunden beim Praktikum, ich hatte immer einen riesen Spaß, weshalb ich auch immer auf die Frage ob ich denn Deutschland vermisse immer mit “irgendwie nicht” antwortete. Irgendwie war es ja auch so, na gut, meine Familie habe ich manchmal schon vermisst, aber ich hatte dort eigentlich alles was ich wollte und brauchte, eine tolle Familie, nette Klassenkameraden, guten Freunden, eine insgesamt tolle Schule, eine schöne Stadt und ein wundervolles Land in dem das all das vereint lag.






