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AFS Erfahrungsbericht - USA

Jennifer, USA 2009/10

"USA: Auch für Realschüler toll..."

Nun sind auch schon gute drei Monate rum und es ist Zeit den ersten AFS-Bericht zu schreiben. Ich habe eine sehr nette Familie. Diese besteht aus einem Gastvater, einer Gastmutter und einer süßen Katze. Ich wohne in einem “kleinen“ Haus im Bundesstaat New Jersey in Morristown - für amerikanische Verhältnisse klein. [Weiterlesen...]

Aber nun zum Anfang meiner Reise. Am 14.8.09 habe ich meine Reise nach Amerika Dank der Kreuzberger Kinderstiftung angetreten. Um 6 Uhr haben wir uns am Flughafen Berlin-Tegel getroffen. Von dort aus ging es dann nach Frankfurt. Eigentlich wollte uns ein AFS-Betreuer abholen, das hat leider nicht geklappt. Mein Vater hatte mir glücklicherweise das Terminal und Gate aufgeschrieben. Somit haben wir unser Ziel noch rechtzeitig gefunden. Von Frankfurt aus ging es dann auf direktem Weg nach New York zum Flughafen JFK. Dort wurden wir dann freudig begrüßt und ins Hotel gefahren. Als dann alle versammelt waren, wurden wir in Busse aufgeteilt und es ging ins erste Camp nach Princton. Dort habe ich dann schon meine Gastmutter kennen gelernt, die die Leiterin vom AFS New Jersey ist. Das Camp ging von Samstag bis Sonntag. Zuhause angekommen, habe ich dann meine Sachen ausgepackt und wir haben uns etwas näher kennengelernt. Meinen Gastvater habe ich erst ein paar Tage später getroffen, weil dieser bei meiner Ankunft auf einem Rennfahrtrip war. Dann habe ich meine Gastgeschenke übergeben Ich hatte viel viel dunkle Schokolade für meine Gastmutter, weil sie Schokolade liebt. Dann hatte ich außerdem noch ein Puzzle vom Brandenburger Tor mit, was genauso gut ankam, und Berlin-Caps. Das Highlight war aber das Deutschkochbuch auf English. Das kam ziemlich gut an!!!!
Dann fing langsam der Alltag der Ferien an. Ich hatte bis zum 2.9.09 Ferien. In der Zeit haben wir ziemlich viel gemeinsam unternommen und ich habe New York etwas erkundet. Wir hatten auch eine Poolparty vom AFS, wo ich dann zum ersten Mal alle AFS Austauschschüler in New Jersey kennengelernt habe.

Dann kam der spannende Tag: Der erste Tag an einer amerikanischen High School war viel zu schnell vorbei. Eine Woche zuvor hatte ich bereits meine Kurse belegt. Genauso habe ich in den Ferien auch schon mit Fußball begonnen. Das hat mir den Einstieg in die Schule leichter gemacht, da ich so schon Leute kannte. Die Schule macht Spaß und ich habe ziemlich nette Lehrer erwischt. Doch ein Vorurteil bleibt. Die amerikanische Schule ist bedeutend einfacher als die deutsche. In Mathe sitze ich nur da und frage mich, was die eigentlich die letzten Jahre gemacht haben. Wir diskutieren über die einfachsten Dinge fast ein Monat. Mit der Sprache komme ich hier ziemlich gut zurecht, genauso wie mit den Leuten an meiner Schule. Jeder kommt auf mich zu und fragt mich Sachen. Wenn ich mal die Fragen so zusammenziehe, dann werde ich zu 99% gefragt, ab welchem Alter man Trinken kann und ab wann man Autofahren darf. Die einzige Sache, die mir hier nicht gefällt ist, dass mir dauernd gesagt wird, dass jeder Deutsche ein Nazi ist. Das ist schon ziemlich hart. Aber im Großen und Ganzem genieße ich das Leben in den USA. Wie ich schon erwähnt habe, spiele ich hier Fußball. Doch jetzt ist die Saison vorbei und ich muss mich nach einem Wintersport umgucken. Wahrscheinlich werde ich jetzt Basketball spielen oder Fechten ausprobieren. Ich bin auch im Deutschklub. Dort kann ich ein paar Leuten etwas über Deutschland erzählen und wir gehen zusammen deutsch essen oder andere typische deutsche Sachen machen.

Vor ein paar Wochen hatten wir auch eine Herbst Orientierung vom AFS. Dort haben wir über unsere bisherigen Erfahrungen gesprochen. Die Betreuer hier waren selber leider nicht im Ausland und im Vergleich zu Deutschland ziemlich alt. Somit konnten sie leider nicht über ihre eigenen Erfahrungen reden. Das ist etwas schade. Aber sie organisieren viele Aktivitäten. Wie zum Beispiel die “Pumkin-Party“. Dort haben wir unseren Kürbissen lustige Gesichter geschnitzt. Das hat auch ziemlich viel Spaß gemacht. Doch der Höhepunkt war das „Homecoming“-Spiel. Unsere Mannschaft hat zwar mit einem Punkt verloren, war aber trotzdem eine schöne Atmosphäre. Die einzige Sorge, die ich gerade habe ist, dass meine Gastmutter zugleich auch die Leiterin von AFS New Jersey ist. Ich habe hier momentan keine Probleme, aber wenn ich mal welche bekommen sollte, dann habe ich keine “neutrale“ Person. All ihre besten Freunde arbeiten auch für AFS. Somit auch meine Betreuerin hier vor Ort. Ich habe etwas Bedenken, dass ich niemanden habe, mit denen ich dann meine Sorgen besprechen kann. Jeder erzählt mir aber, dass meine Gasteltern die Besten sind und ich mit ihnen keine Schwierigkeiten haben werde. Also hoffen wir mal, dass das auch so bleibt.

Zum Schluss möchte ich noch einen Tipp an alle neuen AFSer senden. Lernt die Geschichte von Deutschland und erklärt sie den Leuten. Jetzt zur Zeit des Mauerfalls, werde ich ziemlich oft über die Ereignisse der Mauer gefragt. Es macht außerdem auch Spaß, wenn man jemand anderes etwas erklären kann und somit auch sein Land vorstellen kann. Jetzt muss ich auch aufhören zu schreiben, da ich noch ziemlich viele Hausaufgaben habe. Hier hat jedes Fach ein gefühltes 5kg Buch, wo man dann pro Tag min. 10 Seiten lesen darf. Das Summiert sich dann mit der Anzahl der Fächer schon ziemlich. Also macht es gut und ich wünsche allen neuen AFSern eine gute Reise. Nicht zu vergessen einen großen Dank an alle AFSer, welche mich für dieses Jahr vorbereitet haben. Das hat mir richtig viel geholfen. Auch noch mal ein großes Dankeschön an die Kreuzberger Kinderstiftung, die mir das Jahr mit einem Teilstipendium möglich gemacht hat und zu guter Letzt auch an meine Eltern und Ur-Großeltern, die den anderen Teil des Auslandsjahres finanziert haben. DANKE VIELMALS!

USA: "Saure Gurken im Weihnachtsbaum?"

In letzter Zeit hat sich zu meinem ersten Bericht viel geändert, auch zum Positiven. Ende November war meine Fußballzeit leider vorbei. Dann hatte ich nach der Schule nichts mehr zu tun, denn das Wintersportprogramm fing erst im Dezember an. Das heißt einen Monat nichts zu tun. Das war schon ziemlich hart, besonders weil viele Amerikaner nichts nach der Schule unternehmen. Fragt man jemand, dann bekommt man meistens als Antwort, ich muss arbeiten. Ich will hiermit aber niemanden abschrecken, dass wenn man nach Amerika geht, man keine Freunde hat und wenn man nicht in einem Team ist, nichts zu tun hat. Das kann sein, muss aber nicht, ich glaube, es hängt auch damit zusammen, wo man sich in Amerika befindet.

Wie auch immer, den November habe ich auch rumbekommen. Ich muss gestehen, der Monat hat mir nicht besonders zu meiner Figur geholfen. Ich hatte über die letzten Monate eigentlich nicht zugenommen (zumindest haben mir noch alle Sachen gepasst), aber im November waren es dann doch schon 5 Pound mehr, das sind 2,5 Kilo! Das in einem Monat ist schon hart.

Als wir dann Dezember hatten, habe ich mich dann schließlich für Fechten entschieden. Ich war mir nicht sicher, ob ich Fechten oder Basketball nehmen soll, das Einzige, was ich wusste ist, dass ich etwas machen möchte, damit ich was zu tun habe. Fechten macht einen Riesenspaß, ist aber auch ziemlich anstrengend. Ich glaube, Fechten ist der anstrengendste Sport, den ich jemals gemacht habe. Ich bin aber ziemlich gut darin, und mein Team hat mich auch herzlich aufgenommen. Ich werde dauernd von Leuten gefragt, wie lange ich schon fechte, ich sei doch so gut und einer von meinen Trainern hat mich auch gefragt, ob ich schon in Deutschland gefechtet hätte, da die Deutschen darin wohl ziemlich gut sein sollen. Ich fahre jetzt schon mit auf Turniere, was ziemlich cool ist. Das Schlimmste sind nur die Wochenendturniere. Da müssen wir schon um 7 Uhr morgens am Bus vor unserer Schule stehen. Das hat es echt in sich. Aber Spaß macht’s trotzdem.

Noch mal zurück zum Monat Dezember. Das war für mich einer der schwierigsten Monate. Vor allem der 24.12. Mein Problem war, dass ich hier Weihnachten am 25.12. gefeiert habe, was auch sehr schön war, aber am 24.12. war halt gar nichts los und mein Kopf hat mir gesagt, deine Familie in Deutschland sitzt jetzt zuhause und feiert Weihnachten ohne dich. Meine Gastmutter hatte mir auch vorgeschlagen, mit meinen Eltern zu telefonieren und frohe Weihnachten zu wünschen. Das war ein Fehler. Ich habe mich natürlich riesig gefreut mit ihnen zu telefonieren, doch das hat mit ein ziemlich großes Heimweh gegeben. Das war der große Nachteil. Ich glaube auch, dass das meiner Familie in Deutschland Sehnsucht nach mir gegeben hat, da sie mich nicht bei sich hatten und mein Anruf sie daran noch einmal dran erinnert hat. Ja, das war mein Größtes down in diesem Jahr.

Am 25.12. haben wir dann hier am Morgen Weihnachten gefeiert und das war sehr, sehr schön. Am Nachmittag sind wir zu den Eltern meiner Gastfamilie gefahren und haben dort weitergefeiert. Ach, zum Thema Weihnachten fällt mir gerade etwas ein, wovon ich noch nie was gehört habe: Anfang Dezember, wenn alle über Weihnachten reden, fragte mich meine Spanischlehrerin ob wir eine saure Gurke in unseren Weihnachtsbaum in Deutschland hängen. Ich weiß ja nicht, ob jemand das schon mal gehört hat, aber ich jedenfalls nicht. Ich guckte sie vollkommen erstaunt an und sie meinte, das wäre eine deutsche Tradition. Also ich habe davon noch nie etwas gehört. Das war schon ziemlich komisch. Also an alle, die in die USA wollen: Macht euch drauf gefasst, dass so eine Frage auftauchen könnte.

Im Januar hatte ich ein großes Erlebnis. Ich bin mit meiner Gastmutter nach Florida für zwölf Tage geflogen. Erst nach Naples und dann vier Tage in Orlando. In Orlando sind wir natürlich ins Disneyworld gegangen. Das war soo cool. Es ist echt unglaublich. Ich war im Magic Kiongdom und in Epcot. Epcot geht über die verschiedenen Länder. Unter anderem ist auch Deutschland dargestellt - aber eben so, wie sich Amerikaner Deutschland vorstellen: Männer in Lederhosen und Frauen in traditionellen Kleidern, und zum Essen gibt es natürlich Bratwurst mit Sauerkraut. Doch da war auch ein Geschäft, ein Weihnachtsgeschäft. Ratet mal, was ich dort gesehen habe. Genau! Einen Weihnachtsbaum, voll mit sauren Gurken! Als Kommentar wurde dort rangeschrieben, dass ALLE Deutschen eine Gurke an ihren Weihnachtsbaum hängen und dass eine jahrelange Tradition hat. Ah ja, das sollte ich ja dann vielleicht mal in Deutschland einführen. Habt ihr davon schon einmal gehört? Disney war schon ein sehr schönes Erlebnis. In Naples haben wir in einer Wohnung im 4. Stock direkt am Meer gewohnt. Dort habe ich sogar Delfine gesehen. Das war echt alles wie im Paradies. Echt schade, dass es so schnell vorbei war.

Eine wichtige Sache habe ich schon gelernt: Das Wichtigste in den USA ist, dass man nicht vergisst „Thank you“ zu sagen, so oft es geht. Erst recht, wenn die Gastgeber euch irgendwo hinbringen und euch Plätze zeigen. Das ist für Amerikaner zehnmal wichtiger als für uns Deutsche. Fragt mich nicht warum, das weiß ich auch nicht. Das war auch ein ganz großer Punkt, bei unserem letzten Orientierungsseminar. Ein anderer großer Punkt ist auch, dass man sich für gemachte Fehler unbedingt entschuldigt mit „I am so sorry“. Aber NICHT ein „but“ dranhängen, auch wenn es einen Grund dafür gibt! Das hieße nämlich für die Amerikaner, dass du deine Entschuldigung zurückziehst und es dir eigentlich nicht leid tut, selbst wenn es tatsächlich so ist. Also, einfach nur „I am sorry“ sagen. Am besten so lange, bis die andere Person sich besser fühlt.

In der Schule läuft es bei mir ziemlich gut. Ich habe mich von As, Bs, und Cs auf nur noch A, A-, A+e hochgearbeitet, obwohl ich dazu sagen muss, das ich hier nicht besonders viel für meine Noten mache. Es ist hier doch schon ziemlich Einfach gegenüber Deutschland und ich komme nicht vom Gymnasium, sondern von einer Gesamtschule.

Ja, das war es auch eigentlich von mir, soweit gibt es jetzt nichts mehr Neues. Ich möchte noch mal der Kreuzberger Kinderstiftung Danke sagen, denn ohne diese könnte ich dieses wundervolle Jahr nicht genießen. An alle die noch ein Auslandsjahr vor sich haben: Genießt es und geht nicht mit zu viel Anforderungen ran, sonst seid ihr nachher enttäuscht und könnt euer Jahr nicht so schön genießen und merkt erst, wie schön es doch war, wenn es vorbei ist. Also denkt immer positiv! Vielen Dank an alle, welchen ich dieses Jahr zu verdanken habe. DANKE! Auch vielen Dank an den AFS für dieses schöne Jahr!!!!

An Alle die noch fahren, habt ein wundervolles Jahr!!!
Das ist das Beste was ihr jemals haben werdet.
Vielen Dank noch einmal an die Kreuzberger Kinderstiftung

Big_afs
Happy Pupils

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