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AFS Erfahrungsbericht - Venezuela

Pelino, Venezuela 2009/10

„Venezuela ist ein Land voller schöner Unterschiede...“

Bei der Ankunft in Caracas war ich erstmal richtig von der Hitzewelle geflasht, da ich davor neun Stunden lang in einem zu kalten Flugzeug gesessen hatte. Als ich dann endlich von meiner Gastfamilie im venezolanischen Barcelona abgeholt wurde, waren sie mir sofort sympathisch. Sie haben mich sofort sehr freundlich aufgenommen, so dass ich mich nach den ersten fünf Minuten schon fast wie zu Hause gefühlt habe. Die ersten zwei Wochen waren hier mit der Verständigung außerhalb der Familie recht schwer, da hier die Leute leider kein Englisch sprechen.

Das heißt also, dass ich mich zunächst mit meinen zehn Worten Spanisch und den Händen verständigen musste. Mit meiner Familie war es leichter, da sie Englisch sehr gut beherrschen. Nach kurzer Zeit in meinem neuen Lebensumfeld, wurde mir klar, dass mich das Ganze gar nicht so umgehauen hatte, wie ich es erwartet hatte. Ich nehme hier einfach jeden Tag neue Erfahrungen mit, wie das eben ist, wenn man sich in einer komplett neuen Gesellschaft befindet. Als ich das erste Mal in die Schule kam, wurde ich sofort von allen sehr freundlich aufgenommen, ganz viel gefragt und es wurden viele Späße gemacht. Verstanden habe ich allerdings nur wenig. Aber die Leute hier in Südamerika sind im Vergleich zu Europa, und insbesondere Deutschland, viel offener und herzlicher, das heißt es ist nicht schwierig, neue Freunde zu finden.

Das Schulsystem ist anders als in Europa, entsprechend meinem Alter besuche ich die Abschlussklasse, die mit einer Art Abiturprüfung endet. Die Lehrer sind hier wesentlich strenger und Disziplin ist sehr wichtig. Alle Schüler müssen morgens um zehn vor sieben Uhr die Nationalhymne singen. Die Schüler tragen alle Schuluniform. An meiner Schule besteht diese aus einem beigefarbenen Poloshirt, einer blauen Hose, schwarzen Schuhen und weißen Socken. Und natürlich müssen alle Jungen eine bestimmte Haarlänge haben. Die Schuluniform soll bewirken, dass sich einzelne Schüler aufgrund ihrer Kleidung nicht von den anderen abheben und man an der Kleidung nicht sofort erkennt, ob sie arm oder reich sind. Nach einem Monat fuhr ich zu meinem AFS-Camp in Barquisemeto, das ist eine Stadt etwa acht Stunden Busfahrt von Anaco entfernt. Dieses Treffen war eines der besten, denn es tat so gut die Erfahrungen der ersten sechs Wochen auszutauschen, einmal wieder alles zu verstehen und neue Freunde aus aller Welt zu treffen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich.

Meine Familie ist echt nett, allerdings auch ziemlich anders gestrickt als ich es von zu Hause gewohnt bin. Jeder hat hier seine festgelegte Rolle. Mein Gastvater ist Ingenieur bei der staatlichen Erdölfirma und geht jeden Tag zur Arbeit, um Geld für die Familie zu verdienen. Meine Gastmutter ist den Tag über zu Hause und besorgt den Haushalt. Meine Gastschwester muss meiner Mutter jeden Tag nach dem Mittagessen beim Abspülen helfen. Ich muss jede Woche mein Zimmer wischen, einmal im Monat die Spinnenweben von den Decken im Haus saugen und gelegentlich etwas im Haus reparieren. Mit meiner Familie fahre ich alle zwei Wochen an den Strand – das ist so cool! Wenn wir nicht zum Strand fahren, besuchen wir auch mal Freunde von meiner Familie.

Etwa 94 Prozent der Venezolaner sind katholisch, daher wird auch an meiner Schule morgens gebetet. Am Anfang fand ich es echt befremdlich das überall gebetet wird, jetzt ist es für mich normal und ich glaube sogar das es gut ist, wenn man an etwas glauben kann. Ich gehe mittlerweile jeden Sonntag in die Kirche. In meiner Freizeit bin ich viel mit meinen Freunden unterwegs, wir spielen Fußball auf der Strasse oder wir spielen „Chapita", das ist wie Baseball, nur das es mit Flaschendeckeln und einem Besenstiel gespielt wird. Übrigens, Baseball ist in Venezuela der Nationalsport, so wie in allen Ländern Südamerikas, die an der Karibik liegen.

Insgesamt muss ich sagen, dass meine Zeit hier eine Supererfahrung ist. Meine Lebensrealität hier ist komplett anders als zu Hause, trotzdem fühle ich mich hier sehr wohl, bestimmt hatte ich aber auch richtiges Glück mit meiner Familie.

Venezuela Afs

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