Eine der größten Leidenschaften der Australier ist Sport. Welche Sportart die Australier am meisten lieben und warum sie so verrückt danach sind, beschreibt Horst Giesler in seinem Buch „Ein Schuljahr in Australien - Gastschüler an einer australischen High School“. Hier erfährst du alles über Australien und die Liebe zum Sport.

Sport liegt den Australiern im Blut

Eine der größten Leidenschaften der Australier ist der Sport. Ihre »Sport-Verrücktheit« stellt sich heute sehr vielschichtig dar. »Australians play sport, watch sport, bet on sport and talk about sport more than anything else.« Die Sportbegeisterung der Australier konnte in den letzten Jahren allerdings nicht verhindern, dass die Mehrheit den Sport lieber passiv konsumiert, als dass sie ihn aktiv betreibt. Der Durchschnittsaustralier ist hinter den US-Amerikanern der zweitdickste Mensch. 60 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen gelten als übergewichtig. So stellt für nicht wenige der Gang zum Wettbüro die größte sportliche Herausforderung dar. Dem gegenüber stehen die erstaunlichen Erfolge der australischen Spitzensportler bei den Olympischen Spielen und den Paralympischen Spielen 2000 in Sydney, 2004 in Athen und 2008 in Peking. Australien hat sich im letzten Jahrzehnt auf dem internationalen Parkett des Sports als eine der Top-Sportnationen etabliert. Es sind jedoch nicht die klassischen olympischen Sportarten, sondern für den gemeinen Mitteleuropäer eher schwer verständliche Mannschaftssportarten, die unter den »Aussies« die größte Begeisterung auslösen. Eine solche Sportart ist Cricket. Bedeutende Spiele, vor allem gegen das »Mutterland« England, können das öffentliche Leben ebenso stark beeinflussen, wie dies in Deutschland Fußballspiele tun. Das Regelwerk ist nicht leicht zu durchschauen und die Aktionen auf dem Spielfeld sind für den newcomer ebenfalls schwer verständlich, weshalb viele die Leidenschaft der »Aussies« für Cricket oft nur mit einem ungläubigen Kopfschütteln quittieren. Deutlich mehr action ist angesagt, wenn es um Rugby oder Australian Rules Football geht. Diese körperbetonten Ballspiele sind nichts für Weicheier oder Warmduscher. Über den American Football mit all seiner Schutzausrüstung können die »Aussies« nur milde lächeln. Im Rugby, egal ob Rugby League oder Union, und im Aussie Rules geht es voll zur Sache. Außer dem Mundschutz gibt es keinerlei Schutzvorkehrungen. Ein Grund, warum diese Sportarten so beliebt sind, liegt sicherlich darin, dass sie auch den Schulsport dominieren. Zur ersten Rugbymannschaft oder zum Cricketteam seiner Schule zu gehören, zählt zu den besonderen Auszeichnungen und hat einen für deutsche Verhältnisse kaum nachvollziehbaren Prestigegewinn für den Schüler zur Folge. Langsam im Kommen ist auch der Fußball (football, soccer), der sich vor allem unter den Mädchen zur populärsten Sportart der letzten Jahre entwickelt hat. Dass die Australier im Hockey, Schwimmen und Rudern so viele Medaillen bei den letzten Olympischen Spielen gewonnen haben und zudem einige der weltbesten Tennisspieler haben, ist natürlich ebenfalls kein Zufall. Auch diese Sportarten werden bereits in den Schulen stark gefördert.

Die traditionelle Sportbegeisterung der Australier ist auch ein Bindeglied für die Gesellschaft. Sie hilft über soziale und gesellschaftliche Missstände hinwegzutäuschen. Die stets größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich oder die ungelösten Probleme zwischen Schwarz und Weiß lassen sich beim gemeinsamen Bejubeln sportlicher Erfolge der »Kookaburras« und »Wallabies« (Eigenbegriffe australischer Nationalmannschaften im Hockey und Rugby) für einige Momente ausblenden.

Aus: „Ein Schuljahr in Australien - Gastschüler an einer australischen High School“ Horst Giesler