Steven Christl, ein ehemaliger Austauschschüler, hat in seinem Buch „ Mein Austauschjahr in den USA – Erfahrungsbericht eines Teenagers“ seine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse zusammengefasst und zeigt dir in diesem Textauszug, wie es ihm bei der Planung Schüleraustausch ergangen ist und was du alles beachten musst, wenn du ein Austauschjahr machen willst.

Vor meiner Abreise

All meine Gedanken über ein Austauschjahr in den Vereinigten Staaten von Amerika begannen ungefähr zwei Jahre, bevor ich es dann gemacht habe. Mein Englischlehrer erzählte über Schüler, die diese Sache gemacht hatten und voll davon begeistert waren. Er lud einige von ihnen in den Englischunterricht ein, um von ihren Erfahrungen zu erzählen. In der Regel erzählten sie so: „… jede Menge Spaß … gute und schlechte Momente … Heimweh …“. Einige wechselten die Gastfamilien aus verschiedenen Gründen, manche sind mit der einen Familie und ihrer Lebensart nicht klargekommen, manche mochten die Familie eines Freundes und deren Lebensweise lieber etc. Diese jungen Leute haben mich erst so richtig darauf aufmerksam gemacht und ich habe mir gesagt, das möchte ich auch machen. Mein einziges Problem damals (als Acht- oder Neuntklässler) war, ein Jahr von Familie, Dorf und Freunden wegzubleiben. Es schien unmöglich zu sein. Deshalb habe ich den Gedanken dann auch erst einmal wieder verworfen, bis mein Englischlehrer am Anfang der zehnten Klasse wieder über das Thema Austauschjahr anfing. Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann Ja gesagt. Ich redete mit ihm nach dem Unterricht und er gab mir eine Telefonnummer, wo ich anrufen sollte, um weitere Informationen zu erlangen. Ich rief noch andere Organisationen an, um ihre Angebote und Preise zu vergleichen. Letztendlich hatte ich mich für eine der großen Austauschorganisationen mit Büros in der ganzen Welt, Deutschland, Frankreich, Norwegen, Finnland, Japan, Osteuropa etc. entschieden. Ich faxte meine Bewerbung 15 Minuten vor der Deadline – recht knapp, ich weiß. Zwei Wochen später bekam ich jede Menge Papierkram, der ausgefüllt werden musste. Die Organisation wollte Informationen über mich, warum ich Austauschschüler werden wollte, Zahlungsfragen usw. Nachdem ich die Papiere zurückgesendet hatte und einige Wochen vorüber waren, bekam ich eine Einladung für ein Gespräch, welches auch klären sollte, ob ich ein Vollstipendium verdiene; nun, offensichtlich hatte ich es nicht verdient. Deshalb versuchte ich dann, ein Teilstipendium zu bekommen. Es bestand auch die Möglichkeit, alles alleine zu bezahlen, aber meine finanzielle Lage erlaubte das nicht. Die Papierarbeit ging weiter und die Zeit verging. Sieben Monate vor meiner Abreise wusste ich noch nicht mal, ob ich überhaupt fahren würde, da die Entscheidungen für die Stipendien erst im Mai geklärt wurden. Es klang ziemlich doof damals, da man die ganze Papierarbeit trotzdem machen musste und dann vielleicht nicht mal das Stipendium kriegt. Die Frage „Werde ich fahren oder nicht?“ schwirrte in meinem Kopf noch die nächsten fünf Monate herum. Als der Mai kam, begann ich den Briefkasten täglich und sogar mehrmals täglich zu kontrollieren...

Aus: Mein Austauschjahr in den USA Steven Christl