Jeder angehende Austauschschüler kennt das tolle Gefühl, wenn endlich klar ist, wer die eigene Gastfamilie ist! Aber wie geht es dann weiter? Wie nehme ich am besten Kontakt zu meiner Gastfamilie auf, was soll ich ihnen mitbringen? Und was ist, wenn Probleme auftauchen und ich meine Familie wechseln muss? Auf all diese Fragen gehen Friederike und Sabine in unserem zweiten Schueleraustausch.de-Hangout zum Thema Leben in der Gastfamilie ein. Mit ihren Tipps kannst du dich perfekt auf die Zeit mit deiner Gastfamilie vorbereiten!

Leben in der Gastfamilie

Jessi: Hallo und herzlich willkommen zu unserem zweiten Schüleraustausch.de-Hangout. Ich freue mich, dass ihr heute wieder mit dabei seid. Heute geht es um das Thema Leben in der Gastfamilie. Ich bin Jessi, ich mach die Hangouts im Rahmen von Schüleraustausch.de und war selbst als Austauschschülerin 2011/2012 in England. Ich freue mich unsere heutigen Gäste Sabine und Friederike begrüßen zu dürfen. Mögt ihr euch kurz vorstellen?

Friederike: Ich bin Friederike, ich bin 16 Jahre alt und ich bin momentan noch in Pennsylvania, aber mein Auslandsjahr ist leider schon fast vorbei.

Sabine: Ich heiße Sabine und war in Virginia. Ich bin letzte Woche zurückgekommen und bin EF-Austauschschülerin.

Jessi: Super, dass ihr heute dabei seid. Vielleicht wollt ihr erstmal beide kurz erzählen, wie eure Gastfamilien aussahen. Was für Gasteltern hattet ihr? Hattet ihr Gastgeschwister? Friederike, fängst du an?

Friederike: Meine Gasteltern sind verheiratet und ich habe drei kleinere Gastschwestern. Die Zwillinge sind 10 und die andere ist 8 Jahre alt.

Sabine: Meine Gasteltern sind auch verheiratet und ich hatte zwei Gastschwestern. Eine ist 17 und die andere 24.

Jessi: Ging die jüngere mit dir auf eine Schule?

Sabine: Ja.

Jessi: Jetzt denkt mal ganz weit zurück. Wie war das ganz am Anfang für euch, als ihr von euren Organisationen Bescheid bekommen habt, dass ihr jetzt eine Gastfamilie habt. Wie war der Moment für euch und was habt ihr dann gemacht? Wie habt ihr Kontakt aufgenommen?

Friederike: Ich weiß noch, ich hatte sehr lange auf den Brief gewartet und ich dachte, es dauert noch ewig bis der Brief kommt. Aber letztendlich kam er schon im März, glaube ich. Ich war erst sehr aufgeregt und wusste überhaupt nicht, was ich sagen soll. Also habe ich erstmal mit meiner Mama gegoogelt, also erstmal bei Google Maps geguckt, wo unser Haus ist und das alles angeguckt. Dann habe ich ein bisschen nachgedacht und denen einfach eine E-Mail geschrieben. So nach dem Motto: „Hey, ich bin jetzt eure Gasttochter und ich weiß gar nicht so richtig, was ich sagen soll. Ich wollte nur mal Bescheid sagen, dass ich jetzt auch von Euch weiß und dass ich mich mega drauf freue.“ So kam das Ganze auch irgendwie ins Rollen.

Jessi: Und die haben dir auch schnell darauf geantwortet?

Friederike: Am gleichen Tag sogar noch, ja. Und es war eine mega lange E-Mail. Das war richtig eine Erleichterung, dass die sich auch gefreut haben. Das war ein richtig krasses Gefühl.

Jessi: Das ist schön. Und bei dir?

Sabine: Ich habe im Februar einen Anruf bekommen, dass ich eine Gastfamilie habe aber ich noch einen Test für die Schule machen muss. Dann habe ich, ich glaube, am Tag drauf direkt den Test gemacht. Danach musste ich aber bis Ende April warten, bis ich Bescheid bekommen hab, da meine Schule so lange gebraucht hat das zu bearbeiten. Und dann habe ich eine E-Mail an meine Gastfamilie geschrieben, dass ich mich total freue und dass ich ihre neue Gasttochter bin. Am nächsten Tag habe ich auch schon eine Antwort bekommen.

Jessi: Dann hattet ihr beide ja eure Gastfamilien ziemlich früh. Es ist ja für die USA doch durchaus üblich, dass man die erst sehr kurz vor der Abreise kriegt.

Friederike: Ja.

Sabine: Ja.

Jessi: Da wart ihr beide echt früh dran. Wie war das dann, als ihr angekommen seid? Seid ihr direkt in die Gastfamilie oder hattet ihr noch ein Vorbereitungscamp?

Friederike: Ich bin direkt in meine Gastfamilie. Ich mein, ich hatte ziemlichen Tumult. Mein Flug kam nicht an und ich musste die Nacht am Flughafen schlafen und alles. Aber letztendlich, also wenn man die Rolltreppe da runterkommt und seine Familie mit einem Schild sieht… Das war echt cool, du kannst überhaupt nicht aufhören zu Lächeln. Es war so ein tolles Gefühl, auch alle zum Ersten Mal in die Arme zu nehmen. Das ist richtig, richtig krass.

Jessi: Also waren alle am Flughafen bei dir und haben dich da abgeholt?

Friederike: Ja.

Jessi: Und du, Sabine?

Sabine: Ich bin im Juli für zehn Tage nach Vermont ins Language Camp gegangen. Da habe ich mich zehn Tage mit, ich glaube, 800 anderen Austauschschülern auf mein Auslandsjahr vorbereitet. Danach bin ich erst nach Earlysville, Virginia geflogen. Ich war total überwältig, weil ich erstens froh war, dass ich angekommen bin und zweitens glücklich war zu sehen, wie sie denn jetzt sind, wie sie aussehen und so.

Jessi: Das ist ja voll cool. Und wie war das vom Ablauf her in eurer Gastfamilie bzw. wie ist es da noch so? Du bist ja noch da, Friederike. Macht ihr im Alltag was zusammen? Esst ihr jeden Tag zusammen? Macht ihr Ausflüge? Wie läuft das?

Sabine: Meine Gastschwester und ich sind ja zusammen in die Schule gegangen und da sind wir zusammen immer mit dem Auto hin und auch wieder zusammen nach Hause gefahren. Unter der Woche hat mein Gastvater immer bis um 7 gearbeitet und dadurch haben wir dann zusammen abends Jeopardy angeguckt. Das ist eine amerikanische Quiz-Sendung. Ansonsten, Ausflüge haben wir halt am Wochenende gemacht oder wann auch immer Zeit war.

Jessi: Ok, das ist ja voll cool. Gab es bei euch irgendwann mal Probleme? Musstet ihr die Gastfamilie wechseln oder war das von Anfang an kein Problem? Habt ihr euch von Anfang super verstanden?

Friederike: Das einzige Problem, was mich das ganze Auslandsjahr so ein bisschen verfolgt hat, ist die Beziehung zu meiner Gastmama. Sie ist eine Person, für die das zu Hause ein Platz für die Familie und ein Rückzugsort ist. Insbesondere am Anfang hatte sie sehr große Probleme damit, dass ich in ihrem privaten Feld war. Das Problem war nicht, dass sie mich nicht mochte, sie mag mich wirklich gerne, wir kommen gut miteinander klar. Aber sie hatte oft diesen Punkt, wo sie gerne in ihr Schlafzimmer ging, einfach weil ich sie sozusagen in ihrer Privatsphäre gestört habe. Damit kann ich wiederum nur sehr schwer umgehen, einfach in einem Haus zu sein, was ja mein zu Hause sein soll und dort manchmal einfach nicht willkommen zu sein. Das war so das „Hauptproblem“.

Jessi: Wurde das mit der Zeit besser oder eher nicht?

Friederike: Ja, definitiv. Man lernt sich auch kennen und sie lernt ja auch damit umzugehen, dass ich im Haus lebe. Es gibt aber auch immer noch Zeitpunkte, wo ich merke, dass es gerade nicht so gut ist, dass ich mit allen unten im Wohnzimmer bin. Dann sage ich aber auch, „Ok, ich geh jetzt mal hoch in mein Zimmer und zieh mich mal ein bisschen zurück“, damit die ein bisschen Ruhe haben. Aber man gewöhnt sich auch dran. Das sind so Dinge, mit denen muss man einfach leben. Man muss sich auch bewusst darüber sein, dass wenn man sich für so ein Auslandsjahr anmeldet es nicht immer glatt läuft und dass es nicht immer einfach wird.

Jessi: Ja, da hast du auf jeden Fall recht. Wie war das bei dir, Sabine?

Sabine: Ich habe meine Gastfamilie im Januar gewechselt, weil es einfach nicht funktioniert hat. Von ihrer Seite und von meiner Seite aus. Deswegen war es besser, dass ich die Gastfamilie gewechselt habe. Ich bin dann bei einer Freundin eingezogen, die jetzt meine Gastschwester ist und 18 ist. Das funktioniert jetzt viel besser. Probleme haben wir kaum gehabt, außer dadurch, dass sie dachte, dass sie meine einzige Freundin wäre und ich die ganze Zeit nur mit ihr verbringen würde. Das war aber nicht der Fall. Deswegen ist sie einmal eifersüchtig geworden. Es wurde aber dann besprochen, dass es ganz normal ist, dass jeder seine eigenen Freunde hat und dann war alles in Ordnung.

Jessi: Ja, das ist ja klar. Das ist ja auch normal. Sowas kommt ja auch, glaube ich, unter richtigen Schwestern mal vor. Das heißt aber, du musstest nicht die Schule wechseln dafür dass du die Gastfamilie gewechselt hast?

Sabine: Ja, weil ich meine Gastfamilie selber gefunden habe, dadurch dass ich mit meiner jetzigen Gastschwester schon befreundet war und ihre Familie gesagt hat: „Ja, die nehmen wir auf, ist alles in Ordnung.“

Jessi: Das ist ja echt super! Hat dich die Organisation dabei unterstützt?

Sabine: Ja, schon. Also, es kam halt auch von beiden Seiten. Es kam von meinen Gasteltern und es kam von meiner Seite und dadurch war das alles in Ordnung.

Jessi: Musste deine neue Gastfamilie von der Organisation erstmal überprüft werden oder wie war das? Ging das schnell?

Sabine: Es ist alles so ein bisschen durcheinander gelaufen. Dadurch dass meine Gastfamilie mich nicht mehr wollte, musste ich an einem Tag ausziehen.

Jessi: Ok.

Sabine: Dann hab ich erstmal bei meiner Freundin „übernachtet“. Es hat noch etwas gedauert, bis dann die Formulare ausgefüllt, das ganze Papierzeug fertig, und die komplett überprüft waren. Und dadurch, dass ich in Earlysville gewohnt habe und meine Koordinatorin in Richmond, was eben eine oder eineinhalb Stunden von Earlysville entfernt ist, konnte ich nicht bei ihr wohnen. Dann hätte ich zu viel von der Schule verpasst. Deswegen durfte ich bei meiner Freundin übernachten, aber das war auch nur ein Einzelfall.

Jessi: Das ist aber schön, dass du trotzdem noch eine Familie gefunden hast, bei der du dich wohl fühlst und so eine tolle Gastschwester hast. Dann ist ja nochmal alles gut gegangen. Es ist ja auch, glaube ich, kein Geheimnis, dass es ganz normal ist, dass manche Austauschschüler mit ihrer ersten Gastfamilie nicht klarkommen. Man weiß ja vorher nicht wie die Familie ist, man kennt ja die Leute vorher nicht und so weiter. Von daher ist es einfach super, dass es dann noch so gut geklappt hat. Ich habe jetzt keine weiteren Fragen an Euch. Habt ihr denn Tipps oder Anregungen, die ihr gerne zukünftigen Austauschschülern mit auf den Weg geben wollt? Zum Beispiel, was man unbedingt in Bezug auf die Gastfamilie machen sollte oder welche Gastgeschenke richtig gut ankommen und solche Sachen.

Friederike: Ich glaube, dass man nicht wirklich auf andere Leute hören sollte. Ich meine, man lernt die Familie ja durch die ganzen E-Mails kennen. Man sollte einfach mitbringen, was man selbst angemessen findet, einfach offen in die Sache reingehen und nicht erwarten, dass alles glatt laufen wird. Klar, man hat Ängste. Ich hatte auch so viele Ängste, bevor ich hergekommen bin und irgendwie hat sich nichts wirklich als wahr bestätigt. Meine größte Angst war zum Beispiel Heimweh und ich muss ehrlich sagen, ich hatte nicht ein einziges Mal Heimweh, weil ich diesen bewussten Abschied hatte. Das ist auch ein Tipp von mir: Sich einfach bewusst von allen verabschieden, von seinen Freunden, von seiner Familie und von seinem zu Hause. Einfach die letzten Wochen zu Hause genießen und dann kann einfach nichts schief gehen.

Jessi: Sabine, willst du noch was ergänzen?

Sabine: Die meisten Austauschschüler fangen an nach der ersten oder den ersten zwei Wochen irgendwie total durchzudrehen und meinen, es klappt mit der Gastfamilie nicht so wirklich. Das ist nicht wahr. Wartet einfach ab mit der Zeit, man muss sich daran gewöhnen. Die Familie muss sich an euch gewöhnen und ihr müsst euch an die Familie gewöhnen. Deswegen würde ich selber warten, vielleicht einen oder eineinhalb Monate, bis eine Entscheidung darüber getroffen wird.

Jessi: Ok, dann habt erstmal ganz vielen Dank, ihr beiden. Ich glaube, Ihr habt viele wichtige Sachen gesagt, die einer Menge zukünftiger Austauschschüler durchaus durch den Kopf gehen. Gerade denen, die jetzt kurz vor Ihrem Abflug stehen. Ich glaube, es ist echt gut einfach mal mit Leuten darüber zu reden, die die Erfahrung schon gemacht haben. Also, vielen Dank euch beiden und natürlich auch dem Publikum fürs Zuschauen! Bis zum nächsten Mal!

Friederike: Tschüss!

Sabine: Tschüss!

Bist du neugierig auf Friederikes und Sabines Schüleraustausch in den USA und das Leben mit ihren Gastfamilien geworden und hast eine Menge Fragen an die beiden? Dann geh in unser Forum auf forum.schueleraustausch.de. Dort ist das Video auch zu finden und du kannst deine Fragen direkt unter das Video in das Forum posten. Friederike und Sabine stehen dir gerne Rede und Antwort! Zu Sabines Austauschjahr in den USA kannst du außerdem noch vieles mehr auf Ihrem Blog erfahren. Schau einfach mal vorbei: My Adventure USA. Willst Du selbst mal bei einem unserer Hangouts mitmachen? Dann freuen wir uns, wenn du uns an info@schueleraustausch.de eine Mail schreibst oder unserer Facebookgruppe „Schüleraustausch Hangouts“ beitrittst. Wir freuen uns sehr, wenn du deine Erfahrungen mit uns und der Schüleraustausch-Community teilst!