Nach 27 Stunden Anreise, ist Steven endlich angekommen in seinem Gastland. In dem Buch „ Mein Austauschjahr in den USA – Erfahrungsbericht eines Teenagers“ beschreibt er seine Ankunft und wie er die ersten Tage verbracht hat. So bekommst du auch jetzt schon mal ein Gefühl, wie deine ersten Tage im Gastland vielleicht aussehen werden.

Die ersten Tage

Ich bin so gegen 8:30 Uhr aufgewacht, echt zeitig, wenn man an die 27-stündige Reise davor denkt. Der Rest der Familie war schon wach, Douglas (Gastpapa) bereits auf der Arbeit. Nachdem ich ein wenig zum Frühstück gegessen hatte, redete ich mit der Familie über alles Mögliche. Connie, Jake und ich fuhren dann zur Schule, um mich anzumelden, da die Schule schon in vier Tagen beginnen sollte. Auf dem Weg dorthin ist Jake (man darf dort schon mit 16 Auto fahren, außerdem gibt es auf dem Land kaum ÖPNV) über ein Eichhörnchen gefahren. Er lachte nur, Connie machte sich Sorgen um das arme Eichhörnchen, welches noch immer hinter uns auf der Straße lag und ein wenig zappelte. Das Wetter war herrlich warm, so richtig schön Sommer, wie ich es mag. In der Schule erwartete man uns bereits. Es war ein nicht sehr altes, typisch amerikanisches Gebäude. Drinnen waren einige Leute mit jeder Menge Arbeit beschäftigt. Im Sekretariat arbeitete Barb, sie machte so ziemlich alles Nötige für die Schüler. Meine Anmeldeformulare lagen schon bereit und Connie und ich brauchten nur ein paar Mal zu unterschreiben. Ein Lehrer kam auch zufällig mit seinem Baby vorbei, Mr Dahlberg oder so ähnlich. Als Nächstes ging es in das Büro des Direktors, um meinen Stundenplan zu besprechen. Der Direktor, Mr Demaniow, hatte seinen Job bei der Park City High School (PCHS) diesen Sommer erst begonnen. Er war ein echt cooler Typ, mit einer gesunden Portion Humor. Nach einer ganzen Weile hatten wir dann auch meinen Stundenplan fertig. Der Grund, warum ich bei meinem Stundenplan so nachdenken musste, war der folgende. Ich hatte die Möglichkeit bei meiner deutschen Schule die elfte Klasse anerkannt zu bekommen, musste dafür aber die Fächer wählen, die ich in Deutschland gewählt hatte. Und da gingen die Probleme schon los, die Schule in Park City bot nämlich kein Französisch an. Meine deutsche Schule sagt, dass ich fünf Jahre Französisch nehmen muss. Vier hatte ich davon schon, und nun fehlte mir noch ein Jahr. Ich entschied mich mit Jan (Betreuerin im Ort von der Austauschorganisation) darüber mal zu reden. Mr Demaniow zeigte mir dann die Schule mit all den Räumen und welche Lehrer darin unterrichten. Nach 5 Minuten gab ich den Versuch auf, mir die Namen zu merken, da ich mich eh nicht daran erinnern würde. Die meisten Räume hatten diese typisch amerikanischen Schulbänke (Einzelsitze mit Tisch dran), welche ich zuvor nur in den Filmen gesehen hatte. Danach ging es, vorbei an der Bibliothek und dem Musikraum, in die Turnhalle. Diese war in einem guten Zustand, verglichen mit dem „Ding“ bei mir an der Schule, was noch aus den Sechzigerjahren stammt. Und offensichtlich spielt der Schulsport in den Staaten eine viel wichtigere Rolle als in Deutschland. Ich kenne nämlich keine einzige Turnhalle, die Zuschauerplätze und eine elektronische Punkteanzeige mit PEPSI-Werbung oben drauf hat. Der Fitnessraum war gleich nebenan und hatte jede Menge Möglichkeiten sich fit zu halten. Das war es dann auch in der Schule. Wir fuhren danach nach Hause und hingen dort den Rest des Tages herum. Am Samstagnachmittag sind Jake und ich zum Haus eines Freundes von ihm gefahren, er hieß Blake. Oh Gott, mein Englisch war echt bescheiden, obwohl ich eine 1 in dem Fach hatte. Ich konnte sehr wenig verstehen von dem, was sie erzählten. Der überwiegende Teil meiner Bemerkungen war „Was?“ und „Wie bitte?“ sowie auch Fragen über die Bedeutung vieler Wörter. Ein anderer Kumpel, Joe, kam dann auch noch. Ihn kannte ich schon, weil er mit am Flughafen war und die ganze Fahrt nach Hause geredet hatte, wahrscheinlich der einzige Grund, warum ich überhaupt wach geblieben bin. Dann kamen noch Mike und zwei Mädchen. Die Mädels waren nicht von Park City. Die Jungs kannten sie von FCCLA? Was in aller Welt ist FCCLA? Ich hatte keine Ahnung, und der Versuch, es mir von ihnen erklären zu lassen, war auch vergebens, da es für mich einfach keinen Sinn ergab. Sie entschieden sich dann, zur Mall zu fahren. Ein großes Einkaufszentrum, indem du dich die ersten drei Male verläufst. Wir sind mit Mike seinem Auto gefahren. Es war ein relativ neuer, grüner Chevrolet Pickup Truck. Als wir dann da waren und schon einige Zeit umhergelaufen sind, fragte ich die Jungs mal, warum wir eigentlich nur so durch die Gegend laufen, ohne irgendwas zu kaufen. Mädels nach Mädels gucken und sich eigentlich nur daran aufgeilen, wenn ich das jetzt mal so sagen darf. Na gut, damit hatte ich kein Problem. Aber nach drei Stunden hatte ich die Nase voll, erst recht meine Füße. Der Abend wurde mit einer guten Pizza und einem Video namens „BASEketball“ abgeschlossen. Solltest du jemals Langeweile haben, dann geh und leih dir diesen Film aus.

Aus: Mein Austauschjahr in den USA Steven Christl