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bewertete am 28.11.19 den "Schüleraustausch Panama" mit AFS Interkulturelle Begegnungen

Familie
Schule
Vorbereitung
Betreuung
Ansprechpartner

Vorbereitung

Zu meiner Zeit gab es bei AFS noch eine Auswahl. Es wurde offen kommuniziert, dass hier darauf geachtet wurde, dass man für ein Jahr in einer fremden Kultur weit entfernt von seinem normalen Umfeld zurecht kommt. Es wurde an meinem Wochenende tatsächlich kein Bewerber abgelehnt. Aber das Wichtigste und Prägenste an diesem Wochenende waren die Betreuer mit ihren Geschichten. Ich erinnere mich noch immer, obwohl es mittlerweile über 8 Jahre her ist, wie begeistert Michael vom Land Panama und seinen Erlebnissen erzählt hatte. So kam es, dass ich von meiner Vorstellung ein Jahr in der Highschool in den USA zu verbringen abgewichen bin und mich spontan für Panama entschieden habe. Und ich danke den Betreuern noch immer, es war die beste Entscheidung meines Lebens.
Nachdem ich dann tatsächlich in Panama einen Platz bekommen hatte, gab es von AFS aus 3 Vorbereitungen. Zwei davon waren sogenannte Grundvorbereitungen, wo uns beigebracht wurde, was so alles an einer Kultur anders sein kann. Es wurde auf die Kommunikationsweisen eingegangen, es wurde von Fettnäpchen berichtet und uns wurden Sorgen und Ängste genommen. Zusätzlich gab es noch ein länderspezifisches Wochenende. Hier waren Betreuer aus den jeweiligen Ländern anwesend und es wurden mir "Eigenarten" und kulturelle Dinge konkret aus Panama näher gebracht.
Das schöne an den Vorbereitungwochenenden war, dass es größtenteils die gleichen Teilnehmer und Betreuer waren. So hatte man schon nach kurzer Zeit das Gefühl gemeinsam das "Abenteuer" Auslandsjahr zu bestreiten und ich konnte mich mehr öffnen, als ich zu dem Zeitpunkt gedacht hätte. Nach jedem dieser Wochenenden hatten glaube ich alle von uns Teilnehmern das Bedürfnis, sofort los zu fliegen. Das zeigt meiner Meinung nach, wie erfolgreich wir damals von unseren Betreuern vorbereitet wurden.

Was vielleicht an dieser Stelle noch wichtig wäre zu erwähnen: AFS bereitet die Teilnehmer auch nach. Ich selbst konnte die Erfahrung auch machen, wenn man ein Jahr komplett in eine fremde Kultur eingetaucht ist, fällt es den meisten schwer, sich wieder in Deutschland einzuleben. Und keiner, der nicht das selbe erlebt hat, kann es so richtig nachvollziehen. Also bin ich kurz nach meiner Rückkunft aus Panama auf eine Nachbereitungswochenende gegangen. Hier konnten wir uns gegenseitig austauschen, die Betreuer haben von ihren Problemen damals bei ihrer Rückkehr berichtet und man hat gemerkt, dass man nicht alleine ist. Auch wurden mir die Augen geöffnet, dass ich nach meiner Rückkehr noch weiter an mir arbeiten muss.

Betreuung

Besonders mein Vater war die Betreuung vor und während meinem Auslandsjahr sehr wichtig, einer der Hauptgründe, warum wir uns für AFS entschieden hatten.
Wie bei den Vorbereitungen berichtet, gibt es bei AFS sehr viele Betreuer, die ehrenamtlich die zukünftigen Austauschschüler vorbereiten und betreuen. Wir konnten uns jederzeit an sie wenden, egal ob wir Sorgen hatten, banale Fragen zu unserem Land hatten oder ihnen einfach nur berichten wollten, dass wir endlich eine Gastfamilie hatten.
Dann gab es noch die Betreuung aus dem Büro. Wenn man Fragen hatte, konnte man auch da immer anrufen und einem wurde freundlich weiter geholfen. Aus dem Büro bekamen meine Eltern auch die Elternunterlagen. Ein Batzen mit allen notwendigen Informationen. Ein Glück musste ich die nie durcharbeiten, aber mein Vater schien trotz der Menge an Informationen nicht genervt, eher beruhigt. Er meinte, es seien unter Anderem eine Schritt für Schritt Anleitung und eine Checkliste zum Abhaken dabei gewesen, sodass es meinen Eltern Sicherheit gegeben hat, dass sie auch ja nichts vergessen hatten. Immerhin war das für meine Eltern auch ein halbes Abenteuer, ihren Sohn für ein Jahr soweit weg zu lassen.
Während dem Auslandsjahr hatte ich in Panama, hätte ich Probleme gehabt, eine Betreuerin vor Ort, ein Büro von AFS-Panama, an das wir uns jederzeit wenden konnten, und ein die ganze Zeit besetztes Notfalltelefon zur Verfügung. Ein Glück musste ich das nie in Anspruch nehmen. In Deutschland hätten während meines Austauschjahrs auch meine Eltern bei Fragen oder Ängsten eine Ansprechpartnerin gehabt.
Also kurz zusammen gefasst, was kann man sich mehr von einer Betreuung rund ums Austauschjahr wünschen?

Schule

Ich bin dort in Panama in eine ganz normale öffentliche Schule gegangen. Ich wollte und sollte ja die übliche Lebensweise in Panama kennen lernen. Also war die öffentliche Schule genau der richtige Ort. Ich wurde sehr herzlich in meiner neuen Klasse aufgenommen. Trotz der Sprachbarriere (ich konnte da noch kein Spanisch) konnte ich den Großteil mitmachen. Mir wurden dann die Aufgabenstellungen übersetzt oder im Spanischunterricht habe ich extra Aufgaben zum Einstieg in Spanisch bekommen. Zum Schulniveau im Vergleich zu Deutschland kann ich nur sagen, dass es sehr stark auf das Fach ankommt. Zum Beispiel in Englisch und Physik hatten wir ein sehr niedriges Niveau, wohingegen wir dann in Chemie und Mathematik zum Teil Stoff gemacht haben, der bei uns in Deutschland erst an der Uni gelehrt wird.

Familie

Kurzum: meine Familie war perfekt!
Ich habe hier in Deutschland drei Schwestern, in Panama habe ich nun als nette Abwechslung 2 Brüder. Schon ab dem ersten Tag sollte ich meine Gasteltern Mama und Papa nennen. Auf folgenden Familienfesten wurde ich immer als der verloren gegangene Sohn vorgestellt. Auch mit meinen Brüdern habe ich mich super verstanden. Besonders mit meinem fast gleichaltrigen Bruder bin ich auf einer Wellenlänge. Wir konnten zusammen viel lachen und Scherze machen. Und natürlich darf man die Abende Fifa nicht vergessen, wo wir symbolisch immer Deutschland gegen Panama gespielt haben. Aber Familie in Lateinamerika bedeutet nicht, dass man nur neue Eltern und Geschwister hat, nein, ich zum Beispiel habe jetzt knapp 10 neue Tanten und Onkels und dementsprechend Cousins und Cousinen. Es war immer schön fast alle auf Familienfeiern zu begegnen und gemeinsam Bingo zu spielen oder isch über das viele Essen herzumachen.
Auch nach über sechs Jahren fühle ich mich immer noch sehr mit meiner Gastfamilie verbunden. Wir schreiben mehr oder weniger regelmäßig und vier Jahre nach meinem Austausch war ich tatsächlich auch endlich wieder da. Eine Möglichkeit, das wunderschöne Panama und meine Familie wiederzusehen. Und kaum bin ich wieder in Deutschland, plane ich meinen nächsten Besuch.