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bewertete am 28.11.19 den "Schüleraustausch Costa Rica" mit AFS Interkulturelle Begegnungen

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Mein Auslandsabenteuer fing ca. 9 Monate vor meinen Abflug mit der Bewerbung und dem darauf folgenden 1. Seminar an. Damals dachte ich noch, ich möchte ein Halbjahr nach Neuseeland, dass es am Ende ein Jahr Costa Rica geworden ist, daran ist AFS schuld und ich bin unglaublich froh darüber! Die Vorbereitungen (und natürlich auch die 4 Camps während des Jahres und die Nachbereitungen) waren total prägend und gut. Ich habe mega liebe Leute kennengelernt, mich selbst, mein Leben, meine Wünsche, Ziele, Freundschaften reflektiert und mich rundum wohlgefühlt. Menschen zu haben, die selber im Ausland waren und einem Tips aus erster Hand geben können, war eine gute Erfahrung, genau so wichtig war aber wohl, dass ich die anderen Teilnehmer kennengelernt habe. Sowohl vor dem Abflug als auch in Costa Rica und nach meiner Heimkehr waren diese Freunde für mich ein rettendes Ufer. Menschen zu haben, die das gleiche erleben und durchmachen wie ich, hat mir sehr geholfen. Diese Begegnungen, wir nennen es den AFS-Spirit, sind kennzeichnend für ein Auslandsjahr mit AFS.
Vor Ort hatte ich ein lokales Komitee in meiner Stadt und zwei ehrenamtliche, erwachsene Betreuerinnen die ich mehrmals im Monat gesehen habe. Bei Problemen und Schwierigkeiten konnte ich mich an diese wenden. Das Angebot habe ich auch genutzt. Ich weiß, dass sich andere Schüler nicht genug unterstützt gefühlt haben, doch diese Erfahrung kann ich überhaupt nicht teilen. Ich habe einfach viel selber die Initiative ergriffen und um Hilfe oder Gespräche gebeten und habe diese dann auch bekommen.
Meine Schule wird wahrscheinlich nicht das sein, was man sich als Deutsche/r vorstellt ind erhofft, wenn man ins Ausland geht. Für mich und meine Bedürfnisse war sie allerdings ideal. Ich bin auf das öffentliche Gymnasium meiner Kleinstadt gegangen. Die Unterrichtsqualität war sehr Lehrerabhängig, aber insgesamt doch deutlich schlechter als in Deutschland. Wir hatten auch sehr viel Unterrichtsentfall und haben viele Stunden im Pausenhof unter Mangobäumen und Palmen verbracht. Die Schule ist und bleibt aber einer meiner Lieblingsorte, da ich dort meine Freunde getroffen habe und ein gutes, liebevolles Umfeld hatte. Ich wurde schnell von meiner Klasse akzeptiert und integriert, habe mich an Festivitäten, Feiertagen und allen sonstigen Aktionen aktiv beteiligt und wurde somit von der Schule als vollwertige Schülerin wahrgenommen. Da ich, auch wenn ich anfangs kein Spanisch sprach, probiert habe dem Unterricht zu folgen, Aufgabenstellungen übersetzt habe, mit meinen Freunden gelernt habe und die Arbeiten größtenteils mitgeschrieben habe, habe ich auch schnell Spanisch gelernt, Freunde gefunden und durch die aktive Teilnahme am Leben und der Lebensrealität meiner Mitschüler mich gut integriert und tiefe Freundschaften geschlossen. Ich denke, man kann auf jeder Schule gute und schlechte Erfahrungen machen. Es wird bestimmt SchülerInnen geben, die mit der. Schule unzufrieden waren, doch ich bin überzeugt, dass es mehr von der eigenen Einstellung, Haltung und dem Willen sich gut zu integrieren und ein echter Teil der Gesellschaft zu sein liegt, ob man seine Schule mag oder nicht. Da meine Noten vorher gut waren und ich in Costa Rica im Unterricht aufgepasst habe, hatte ich trotz teilweise schlechtem Unterricht, kein Problem in Deutschland wieder in meine alte Klasse einzusteigen und bin dort im Stoff gut mitgekommen.
Ich habe und hatte auch immer eine gute Beziehung zu meiner Gastfamilie. Ich denke, ich wäre zwar bei einer anderen Familie glücklicher gewesen, aber alles in allem bin ich zufrieden. Meine Gastfamilie hat mir für Costa Ricanische Verhältnisse viele Freiheiten gelassen und war sehr liberal. Ich durfte mich viel verabreden, auch mal mit meinen Freunden (auch mit Jungs, was in Costa Rica ein heikles Thema sein kann) verreisen, und auch bis spät in die Nacht in der Dorfdisko bleiben. Mein einziges Problem ist, dass ich häufig nicht ganz sicher war, ob mich meine Gastfamilie wirklich gern hat, da sie mehr oder minder kalt und nicht besonders herzlich war. Allerdings denke ich im Nachhinein, ich hätte es vielleicht einfach mal ansprechen können und nicht ängstlich umherschleichen sollen. Ich bin mir auch sicher, dass meine Gastfamilie mich gern hat, es ist aber klar, dass es, gerade zwischen mir und meiner Gastschwester, einfach sehr große (Meinungs-)unterschiede gibt. Das ist aber vollkommen okay.
Resümierend kann ich also sagem, dass der AFS und ich zusammen es geschafft haben sehr viel, wenn nicht sogar eine Art Maximum aus diesen 11 Monaten zu holen und gerade durch die intensive Vor- und Nachbereitung hab ich mein Ziel erreicht: mich selbst besser kennenzulernen, mehr mit mir im Reinen zu sein und etwas mutiger und sicherer den Ziel zu gehen, den ich gehen möchte. Ich denke ohne den AFS wäre dies in der Tragweite nicht möglich gewesen.