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bewertete am 29.11.19 den "Schüleraustausch Russische Föderation" mit AFS Interkulturelle Begegnungen

Familie
Schule
Vorbereitung
Betreuung
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Vorbereitung

Alles begann mit den Vorbereitungs-Camps. Das war mein persönlicher Einstieg in die Welt des interkulturellen Lernens. Hier habe ich für meine mehrsprachige und mehrkulturelle Identität viel Wertschätzung erfahren und konnte mich theoretisch und durch erfahrensbasierte Lerneinheiten mit den Themen auseinandersetzen. Dies hat mich so sehr geprägt, dass ich auch nach meinem Austausch weiter an diesen Themen gearbeitet habe, ein entsprechendes Fach studiert habe und in diesem Bereich tätig bin.
Angeleitet wurden die Vorbereitung ausschließlich von Ehrenamtlichen mit eigenen AFS-Erfahrungen, sodass uns Teilnehmenden früh der "AFS-Spirit" eingeimpft wurde - das Gefühl, Teil einer Familie zu sein in der sich jede Person selbst und gern einbringt und Verantwortung übernimmt, anstelle von Massenabfertigung mit Serviceanspruch. Dies ist eine Haltung, die mir auch während meines Austauschs an sich sehr geholfen hat.

Betreuung

In Russland ist die Betreuung durch sogenannte Chapters gewährleistet. In meiner Stadt war das Chapter durch eine sehr engagierte Englischlehrerin meiner Schule repräsentiert, in anderen Städten waren es teilweise ganze Ehrneamtlichen-Gruppen. Aber ich will diese persönliche Betreuung nicht missen: Zu jedem Zeitpunkt fühlte ich mich gut aufgehoben, meine Kontaktperson unterhielt guten Kontakt mit meiner Gastfamilie, unterrichtete mich auch im Russischen und konnte durch ihre Position auch alle schulisch-organisatorischen Fragen klären. Dann gab es noch AFS-Camps, in denen ich auf andere AFSer*innen (russische Ehrenamtliche und internationale Austauschschüler*innen) stieß und mich rege über die alle Erfahrung austauschen konnte. Dieser informelle, aber im sicheren Rahmen stattfindene Austausch, angeregt durch Reflexionsübungench, war sehr wichtig, um mit allen Erfahrungen - schönen wie herausfordernden - umzugehen. Ich denke immer noch gern an diese Zeit zurück, die ich ohne Zweifel als die bis dahin schönste meines Lebens bezeichne.

Schule

Ich war an einer sehr "normalen" russischen Mittelschule und wurde dort von sehr herzlichen Klassenverbänden aufgenommen. Keine Fach, keine Schulfest, kein Ausflug blieb mir "erspart", sodass ich nach meinen Möglichkeiten *alles* kennenlernen durfte. Dabei wurde immer auf meine (Russisch-)Fähigkeiten geachtet. So war ich in den naturwissenschaftlichen Fächern und Englisch in der 11. Klasse, in den sozialwissenschaftlichen Fächern in verschiedenen 10. Klassen und für den Russischunterricht (neben meinem Einzelunterricht) auch in der 2. Klasse mit den Kleinen! Solche Individuallösungen halte ich für AFS sehr charakteristisch. Hier werden durch persönliches Engagement lokal die besten Entscheidungen getroffen.

Familie

Die beste Familie Russlands! Noch vor meiner Abreise gab es einen Brief, in der sich meine Familie ausführlich vorgestellt hat. Das hat mir geholfen, mir einen Eindruck zu verschaffen und auch meine Eltern beruhigt. Meine Gastfamilie erhielt keinen Cent für ihre Teilnahme am Programm und integrierte mich wie einen echten Sohn. Das halte ich rückblickend für enorm wichtig. Es war für meine Gasteltern keine Dienstleistung, sondern sie nahmen ihre Verantwortung mit vollem Pflichtbewusstsein und echter Herzlichkeit von Eltern wahr, die auf ihre Kinder aufpassen möchten, ihre Entwicklung mitbekommen wollen und ihnen alles ermöglichen wollen, was sie können. Meine Gastfamilie hat sich aktiv für mich entschieden, weil sie mein Profil angesprochen hat und das habe ich während meiner Zeit dort erlebt. Wir halten auch jetzt - sieben Jahre später - immer noch Kontakt.