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bewertete am 06.12.19 den "Schüleraustausch Bolivien" mit AFS Interkulturelle Begegnungen

Familie
Schule
Vorbereitung
Betreuung
Ansprechpartner

Ich war alles in allem trotz vieler Schwierigkeiten sehr zufrieden mit meinem Auslandsjahr und kann es jedem nur empfehlen. Ich habe es für mich als Auszeit ebenso wie zur Charakterlichen entwicklung genutzt und bin an allem - dem guten wie dem schlechten - persönlich sehr gewachsen.

Die Vorbereitung war gut und hatte viele interkulturelle und teamdynamische Aspekte, die mir nicht nur für den Auslandsaufenthalt sondern auch für mein Studium und meine persönliche Entwicklung deutlich weiter geholfen haben.

Die Betreuung vor der Abreise war gut. Nach Ankunft in Bolivien habe ich ich eher alleine gelassen gefühlt. Ich kam mit meiner ersten Gastfamilie nicht gut zurecht, da die Chemie zwischen uns einfach nicht stimmte. Mir wurde gesagt, das Problem ginge nur von mir aus und ich könne und müsse daran arbeiten, weil ein Familien Wechsel (ich hatte mich bereits um potentiellen Ersatz gekümmert) sei nicht möglich. Erst nachdem mich die Familie nach einem heftigen Streit auf die Straße setzte, wurde mir der Wechsel der Familie erlaubt. Hilfe bekam ich in der Zeit nur von meiner Familie daheim.
Meine zweite Familie ist und bleibt genau das: Meine Familie! Sie sind toll, fürsorglich, großzügig und einfach das beste, was mir hätte passieren können - vonwegen man kann sich seine Familie nicht aussuchen. Für mich war es mein bester Freund aus der Schule, der mich zu sich nach Hause einlud und in dessen Familie ich mich sofort verliebte. Als sie mitbekamen, dass es mir in meiner ersten Gastfamilie nicht gut ging, besorgten sie sofort ein weiteres Bett und nahmen mich in Haus und Herz auf.

Ich habe mein Auslandsjahr nach dem Abitur gemacht. Zu meinem Glück hat AFS Bolivien einen Fehler gemacht und mich in die Abschlussklasse meiner Schule gesteckt. Das Schuljahr endete zur Hälfte der Zeit die ich dort war und so endete auch meine Schulzeit und ich bekam die Möglichkeit an einer der öffentlichen Universitäten zu "studieren".
Die Schule selbst war eher gewöhnungsbedürtig. Die Einrichtung ähnelte von den Proportionen her eher dem, was ich aus der Grundschule kannte (es war alles sehr klein) und das Lehrniveau war niedrig. So war es mir möglich mit sehr gebrochenem Spanisch alle meine Abschlussprüfungen in der Schule gut zu bestehen. darüber hinaus gab es in der Schule keine Heizung. Bei einer Schuluniform, die Rock und Ballerinas vorschreibt und einer Durchschnittstemperatur von 10 °C, blieb da der ein oder andere Ausfall durch Krankheit nicht aus.
Die Uni hingegen war eine tolle Erfahrung. Für die belgischen Austauschschüler*innen war der Besuch der Uni Teil des Programms (tolle Idee!). Für mich war es leider nur durch einen organisatorischen Fehler möglich (wie man mir immer wieder mit knirschenden Zähnen sagte).

Rückblickend bin ich noch immer der Meinung von AFS-Bolivien sehr im Stich gelassen worden zu sein, als es mir sehr schlecht ging. was zunächst nur psychische Probleme waren, schlug sich auf schnell auf den Körper nieder, sodass ich die ersten 3 Monate (die Zeit in meiner ersten Gastfamilie) fast durchgehend krank war. Die einzige Hilfe, die ich bekam war, dass man mich, nachdem ich hinausgeworfen worden war, mit dem Auto abholte und zu meiner neuen Familie brachte. Auch AFS Deutschland hielt sich sehr bedeckt, meinte sie könnten leider nichts für mich tun, ich müsse versuchen, die Situation alleine wieder in den Griff zu bekommen und es wäre das beste, wenn ich lernen würde mit meiner (1.) Familie klar zu kommen. Diese Zeit war sehr hart, hat mich aber auch am meisten weiter gebracht. Ich habe daraus gelernt und bin an der Situation gewachsen... über die Zeit. Für schwache Nerven war das nix.

Ich habe mitbekommen, dass andere Austauschorganisationen in solchen Situationen in der Regel nicht viel besser reagieren. Es ist von Land zu Land und Region zu Region sehr unterschiedlich.
Aus Sicht einer deutschen Gastfamilie ist AFS toll. Als wir eine Austauschschülerin hier hatten, wurden wir und auch sie gut betreut. Wir waren sehr glücklich. deshalb entschied ich mich, meinen Auslandsaufenthalt ebenfalls mit AFS zu planen.
Auch wenn vieles von dem, was ich geschrieben habe eher negativ klingt, war die Gesamterfahrung eine gute und ich kann einen Austausch nur empfehlen - gerne auch mit AFS!