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bewertete am 08.02.21 den "Schüleraustausch Norwegen" mit Youth For Understanding Komitee

Familie
Schule
Vorbereitung
Betreuung
Ansprechpartner

Moin, hier findet ihr meinen ausführlichen Bericht, viel Spaß!

Vorbereitung

Die Vorbereitung habe ich als sehr intensiv erlebt. Der erste Teil besteht aus einer 6-tägigen Vorbereitungstagung in Deutschland, die im Preis enthalten ist, in Covid-Zeiten jedoch digital umgesetzt wird. Diese Woche war zum einen inhaltlich sehr interessant und hilfreich. Wir haben viel überlegt und reflektiert, wie man mit bestimmten Situationen umgehen könnte, welche Erwartungshaltungen wir und die Gastfamilien vielleicht mitbringen, welchen größeren "Sinn" ein Austauschjahr abseits des persönlichen Abenteuers mit sich bringt, wie sich der Kontakt in die Heimat auf eine gute Art & Weise halten lässt und vieles mehr. Zum anderen war es aber toll, andere ATS zu treffen, Vorfreude, Aufregung und Sorgen zu teilen und zu hören, wie sie sich das ganze vorstellen. Ich fand es später im ATJ ungemein hilfreich, ein kleines Netz an Kontakten zu haben, die durch ähnliche Höhen und Tiefen gehen wie ich.

Der 2. Teil der Vorbereitung findet nach Ankunft im Gastland statt. In meinem Fall waren das 3 Tage in der Nähe von Oslo, bevor ich zu meiner Gastfamilie nach Trondheim weitergereist bin. Diese "YFUka" (uka = die Woche auf Norwegisch) war mega lustig und hat sehr geholfen, die ersten Eindrücke vom Land zu verarbeiten. Dort haben wir auch Buddys bekommen, also Norweger, die gerade aus ihrem ATJ zurückgekehrt waren und aus der gleichen Stadt kamen, in die wir gegangen sind. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr euch das Video von meiner YFUka auf YouTube angucken, um einen Eindruck zu bekommen!! https://www.youtube.com/watch?v=xYgeow0ulyg

Betreuung

Ich hatte in Trondheim eine Betreuerin, mit der ich mich ungefähr alle 3 Wochen getroffen habe. Wir waren wandern, Kaffee trinken, bei ihr zu Hause zum Weihnachtsplätzchen backen und hin und wieder gab es ein Gespräch mit mir und meiner Gastfamilie. Nach etwas über einem halben Jahr haben meine GF und ich entschieden, dass wir wirklich nicht so gut zueinander passen, ass wi weiter zusammen leben wollen. Das war zwar eine harte Zeit, aber auch eine riesige Erleichterung und ein ganz neues Gefühl von Entspannung, als ich zu meiner Betruerin zog (das ist nicht selstverständlich!). Mit ihr und ihrem Mann lief alles super, wir waren zweimal zusammen auf der Hytte (Ferienhäuschen) und ich habe mich unfassbar wohl gefühlt bei ihnen. Rückblickend kann ich sagen, dass die beiden einen großen, positiven Einfluss auf mich und mein weiteres Leben hatten. Denn diese Freundlichkeit, Herzlichkeit und Bereitschaft, mich spontan bei sich ins Zuhause aufzunehmen, ist nicht selbstverständlich und ich möchte versuchen, diese Herzlichkeit weiterzugeben und engagiere mich seit meiner Rückkehr nach Deutschland ebenfalls bei YFU - mittlerweile schon seit 5 Jahren!

Auch von den Geschäftsstellen in Hamburg und Oslo habe ich ein gutes Bild bekommen. Es war immer jemand für meine Anliegen da, die Organisation der An- und Abreisen hat immer gut geklappt und ich wusste, welche Ansprechpersonen es gibt, falls gebraucht.

Schule

Ich ging auf die Byåsen videregående skole, welche die 11.-13. Klasse umfasst. Auf welche Schule man geht, schlagen in der Regel die Gasteltern vor, da sie wissen, welche in der Nähe liegt oder auf welche die eigenen Kinder gehen. Meine Schule war sehr neu, sehr fancy, viel Glas und Holz und wirklich modern. Der Unterricht war mal so, mal so; einige Lehrer*innen waren cool und kompetent, andere eher langweilig. Zu unseren beiden Klassenlehrerinnen hatte ich ein gutes und persönliches Verhältnis, was auf jeden Fall anders war, als ich es aus Deutschland gewohnt war, aber auch daran lag, dass ich Austauschschülerin war und die beiden besonders geguckt haben, wie das Einleben so funktioniert etc. Ansonsten habe ich alle Tests und Klassenarbeiten auf Norwegisch mitgeschrieben, das es mit dem Norwegischen recht fix gut geklappt hat; ich hatte mir aber auch vor dem ATJ schon die Grundlagen der Sprache angeeignet. Das kann ich auch wirklich nur jedem ans Herz legen, damit ihr euch in der ersten Zeit weniger verloren fühlt.

Familie

In meiner ersten Gastfamilie hatte ich zwei Gastschwestern im Grundschulalter, was für mich als Einzelkind auf jeden Fall was anderes war. Ich habe mich auch mit allen aus der Familie richtig gut verstanden; war mit meinem Gastvater joggen, habe mit den beiden Gastschwestern einen Überraschungs-Adventskalender für meine Gasteltern gebastelt, war mit der Oma auf Oma-Enkelin-Tag usw.... nur mit meiner Gastmama wurde ich einfach nicht richtig warm und sie mir mir auch nicht. Wir haben es lange versucht und es gab auch schöne Momente; wir haben uns jetzt nicht jede Woche gestritten oder so. Aber mein Gastfamilienwechsel im März war das Beste, was mir passieren konnte. Über meine Kontaktperson habe ich ja oben schon geschrieben. Da sie mich nur temporär aufnehmen konnten, bin ich Ende April nochmal gewechselt - total spät, ich weiß, aber die letzten 8 Wochen waren die allerallerbesten und ich hatte die "perfekte" Austauscherfahrung, die man sich immer so vorstellt. Eine Reise an den Geirangerfjord, zwei Wochenenden auf der Hytte, viele viele Spieleabende, eine Nachtwanderung bei Tageslicht im Juni, Waffeln backen, Besuch bei Freunden der Familie, Sommerkonzert vom Chor aus, Orientierungslauf mit meinem zweiten Gastvater.... wir haben in dieser Zeit total viel erlebt und es war harmonisch von Tag 1 an. Meine zweite Gastfamilie habe ich ein dreiviertel Jahr später nochmal in den Osterferien besucht und noch eine Weile Kontakt gehalten. Ich glaube, die 8 Wochen zusammen waren zu wenig, um eine super deepe connection aufzubauen und 6 Jahre später weiterhin zu chatten, aber das finde ich nicht schlimm. Ich denke, es ist okay, eine tolle Zeit zusammen zu haben und irgendwann den Kontakt zu verlieren. Das ist ja auch normal (ich kenne allerdings einige, die 1 Jahr bei ihrer Gastfamilie waren und weiterhin Kontakt haben) - es kommt also wirklich auf die jeweilige Situation. Vergesst nicht, dass ein ATJ eine sehr sehr individuelle Erfahrung ist und es ist auch kein "Misserfolg", wenn man keine Freunde für den Rest des Lebens findet oder für immer Kontakt mit der Gastfamilie hält. Genießt den Augenblick, gebt euch Mühe, aber vergleicht euch nicht mit anderen ATS- das ist mein Ratschlag. Daher möchte ich euch einen Spruch mit auf den Weg geben, den wir bei YFU oft hören:

It's not better, it's not worse, it's different.

Liebe Grüße
Rike