Psychische Gesundheit im Schüleraustausch: Vorbereitung, Hilfe und wann ein Austausch sinnvoll ist

Ein Schüleraustausch wird oft als das „beste Jahr deines Lebens“ verkauft – und für viele wird es das auch. Aber zwischen den Football-Spielen und Spring-Break-Fotos auf Instagram passiert noch etwas, das selten thematisiert wird: Ein Schüleraustausch ist emotional einer der intensivsten Lebensabschnitte eines jungen Menschen. Du wechselst Sprache, Schule, Familie, Freundeskreis und Land gleichzeitig. Du verlierst dein gewohntes Stütznetz, bevor du ein neues aufgebaut hast. Das ist statistisch eine der größten kurzfristigen Lebensveränderungen, die Jugendliche überhaupt erleben können.

Für viele ist das eine wertvolle, prägende Erfahrung. Für andere – vor allem jene, die schon vor der Abreise mit Depressionen, Angststörungen oder anderen psychischen Belastungen leben – kann der Stress vorhandene Probleme verstärken. Manchmal hilft das Jahr, manchmal überfordert es. Beides ist Realität, und beides verdient ehrliche Information.

Dieser Ratgeber beantwortet drei Fragen, die in Standard-Beratungen selten so klar gestellt werden: Wann ist ein Auslandsjahr trotz psychischer Vorbelastung sinnvoll? Wie bereitest du dich vor, um nicht in eine Krise zu rutschen? Und an wen wendest du dich, wenn es im Gastland schwierig wird? Mit konkreten Hilfe-Adressen und ohne medizinische Schönfärberei.

Hilfe im akuten Notfall – nicht warten Wenn du gerade an Suizid denkst oder dich selbst verletzen willst: Sprich jemanden an. In Deutschland: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 (24/7, kostenlos) oder Krisenchat (krisenchat.de, per Chat erreichbar). In den USA: 988 Suicide & Crisis Lifeline. Im akuten Notfall: lokale Notrufnummer (911 USA, 112 EU, 000 Australien, 111 Neuseeland, 119 Japan). Du musst das nicht alleine durchstehen.

Die emotionale Realität eines Schüleraustausches – jenseits von Heimweh

Heimweh wird in fast jedem Austauschratgeber behandelt. Das ist wichtig, aber unvollständig. Heimweh ist nur eine Facette eines viel breiteren emotionalen Spektrums, das du im Auslandsjahr erleben kannst – und das ohne psychische Vorbelastung normal ist.

Die emotionale Achterbahn: ein bekanntes Muster

Forschung und Erfahrungsberichte beschreiben ein wiederkehrendes Muster im Auslandsjahr, oft als „W-Kurve“ bezeichnet:

  • Wochen 1–3: Honeymoon-Phase. Alles ist neu, aufregend, glänzend. Du fühlst dich oft euphorisch.
  • Wochen 4–10: Kultur-Schock. Die Aufregung weicht Erschöpfung. Sprachstress, soziale Unsicherheit, Heimweh, Selbstzweifel.
  • Wochen 10–20: Anpassung. Routine entsteht, Freundschaften wachsen, du fängst an, dich wohl zu fühlen.
  • Letzte Wochen: Pre-Departure-Phase. Vorfreude auf zu Hause mischt sich mit Abschiedsschmerz – widersprüchliche Emotionen sind normal.
  • Nach der Rückkehr: Reverse Culture Shock. Du fühlst dich in Deutschland fremd. Dauert oft 4–8 Wochen.

Diese Phasen zu kennen ist wichtig. Wer in Woche 6 in einem Tief sitzt und nicht weiß, dass das ein typisches Muster ist, kann denken, „mein Auslandsjahr ist gescheitert“. Wer es weiß, weiß: Das ist Teil des Prozesses, kein Versagen.

Was über Heimweh hinausgeht

Echte psychische Belastungen, die im Auslandsjahr auftreten können – auch bei Schüler:innen ohne Vorgeschichte:

  • Depressive Verstimmungen, die länger als 2–3 Wochen anhalten und den Alltag erschweren.
  • Angststörungen, die sich neu entwickeln können (Sprachängste, soziale Ängste, Panikattacken).
  • Essstörungen, die sich verstärken oder neu zeigen (oft im Zusammenhang mit dem Wechsel des Essumfelds).
  • Schlafstörungen, die über die Zeitumstellung hinaus anhalten.
  • Substanz-bezogene Bewältigungsversuche (Alkohol, Drogen) – im Gastland besonders riskant.
  • Suizidgedanken oder Selbstverletzungsimpulse, die akute professionelle Hilfe brauchen.

Wichtige Faustregel zur Selbsteinschätzung

Eine schwierige Phase wird zu einem ernsten Problem, wenn drei Kriterien zutreffen: 1) Die Symptome halten länger als 2–3 Wochen an. 2) Sie beeinträchtigen deinen Alltag (Schule, Schlaf, Essen, soziale Kontakte). 3) Sie werden eher schlimmer als besser. Wenn alle drei stimmen: Hilfe holen, nicht warten.

Schüleraustausch trotz psychischer Vorbelastung: Wann ist es sinnvoll?

Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Pauschale Ratschläge wie „mach es auf jeden Fall“ oder „lass es lieber sein“ helfen niemandem. Entscheidend sind drei Faktoren: Wie stabil ist deine aktuelle Situation? Wie gut ist deine Vorbereitung? Wie zugänglich ist Hilfe im Gastland?

Die drei Stabilitäts-Fragen, die du mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten klären solltest

  • Ist deine Erkrankung gerade stabil? Eine Depression in Remission seit 6–12 Monaten ist eine andere Situation als eine akute depressive Episode.
  • Funktionierst du im Alltag? Wenn du in Deutschland regelmäßig zur Schule gehst, dein soziales Leben führst und stabile Routinen hast, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass du das auch im Gastland schaffst.
  • Hast du Frühwarnsignale erkannt? Wer weiß, wann sich ein Tief ankündigt (Schlaf, Appetit, sozialer Rückzug), kann früher gegensteuern.

Wann ein Auslandsjahr eher nicht der richtige Zeitpunkt ist

  • Akute Krise: Aktive Suizidgedanken, akute Selbstverletzung, akute Essstörung in den letzten 6 Monaten.
  • Frische Diagnose: Erstdiagnose einer mittelschweren bis schweren psychischen Erkrankung in den letzten 3–6 Monaten, noch in der Einstellung der Behandlung.
  • Instabile Medikation: Du musst noch Medikamente einstellen oder häufig wechseln – im Ausland ist das schwer fortzuführen.
  • Fehlendes Support-System: Du hast in Deutschland kaum stabile Therapieanbindung oder Familienunterstützung.
  • Druck von außen: Du machst das Jahr nur, weil Eltern/Freunde/Schule es erwarten – nicht, weil du es willst.

Wann ein Auslandsjahr trotz Vorbelastung gut funktionieren kann

  • Stabilität über mehrere Monate: Deine Symptome sind gut behandelt und unter Kontrolle.
  • Klare Therapie-Anbindung: Du hast eine:n Therapeut:in, die deine Vorbereitung unterstützt und im Notfall ansprechbar bleibt.
  • Krisenplan: Du weißt, was zu tun ist, wenn ein Tief kommt – mit konkreten Schritten und Kontakten.
  • Eigene Motivation: Du willst das Auslandsjahr wirklich – nicht weil andere es wollen.
  • Offene Kommunikation mit der Organisation: Du hast deine Situation transparent gemacht, ohne dich vorzuverurteilen.

Die wichtigste Ressource: dein:e Therapeut:in

Wenn du in psychotherapeutischer Behandlung bist, ist dein:e Therapeut:in die wichtigste Person für die Entscheidung. Lass mindestens zwei Sitzungen explizit auf das Auslandsjahr verwenden: Wann starte ich? In welchem Land? Welche Hilfe brauche ich vor Ort? Was sind meine Frühwarnsignale? Eine fachliche Einschätzung schützt dich vor Selbsttäuschung in beide Richtungen – Überschätzung wie Unterschätzung.

Vor der Abreise: Wie du dich psychisch vorbereitest

Mit der Organisation offen sprechen

Viele Schüler:innen verschweigen psychische Vorerkrankungen aus Angst, abgelehnt zu werden. Das ist verständlich – aber riskant. Wenn du im Bewerbungsformular bewusst falsch antwortest und es später relevant wird, kann die Organisation das als Vertragsverletzung werten und das Programm beenden.

Besser: Offen kommunizieren, aber strategisch. Eine gut formulierte Aussage wie „Ich war wegen Depressionen in Behandlung, bin seit 12 Monaten stabil und habe einen Krisenplan mit meiner Therapeutin entwickelt“ ist deutlich anders als „Ich habe psychische Probleme“. Erstere zeigt Reflektion und Vorbereitung, letztere klingt nach Unsicherheit.

Medikamente und Versorgung organisieren

  • Vorrat für die gesamte Programmdauer: Idealerweise nimmst du deine Medikamente für 10–12 Monate mit. Größere Mengen erfordern eine ärztliche Bescheinigung (in Englisch).
  • Originalverpackung mit Beipackzettel: Für die Einreise in die meisten Gastländer wichtig. Niemals Medikamente lose mitnehmen.
  • Ärztliche Bescheinigung in Englisch: Wirkstoffname (nicht Markenname!), Dosis, Diagnose grob, Notwendigkeit der Mitnahme. Diese Bescheinigung verhindert Probleme am Zoll.
  • BfArM-Regeln prüfen: Manche Medikamente fallen unter das Betäubungsmittelgesetz und brauchen Sondergenehmigungen für die Einfuhr – ADHS-Medikamente, einige Beruhigungsmittel.
  • Backup-Plan: Was passiert, wenn Medikamente verloren gehen? Wo bekommst du Ersatz im Gastland? Klär das mit Therapeut:in und Hausarzt:in vor der Abreise.

ADHS-Medikamente: Sonderfall Methylphenidat und Amphetamin-basierte ADHS-Medikamente fallen unter das Betäubungsmittelgesetz. Für die Mitnahme in die USA, nach Australien und in viele andere Länder brauchst du eine spezielle Bescheinigung – in den USA z. B. eine vom BfArM beglaubigte Bescheinigung in Englisch. Im Gastland selbst sind diese Medikamente nur über lokale Ärzt:innen erhältlich – nicht über Versand aus Deutschland. Plane das mit deinem Arzt mindestens 3 Monate vor Abreise.

Therapie-Kontinuität sichern

  • Online-Therapie aus Deutschland: Manche Therapeut:innen bieten Online-Sitzungen während des Auslandsjahrs an. Klär das vor der Abreise.
  • Krisen-Vertrag mit der Therapeutin: Wann darfst du dich melden? Wie schnell antwortet sie? Was passiert bei akuter Krise?
  • Lokale Therapie-Anbindung: In den USA z. B. School Counselor (kostenfrei), in größeren Städten oft auch deutschsprachige Therapeut:innen. In Australien und UK gibt es gute Mental-Health-Angebote für Jugendliche.
  • Krankenversicherung prüfen: Welche Mental-Health-Leistungen deckt deine Auslandsversicherung? Viele Standard-Versicherungen schließen psychische Erkrankungen aus oder begrenzen sie auf wenige Sitzungen.

Den Krisenplan: Was tun, wenn ein Tief kommt

Schreibe vor der Abreise einen Krisenplan auf. Konkret, schriftlich, in deinem Handy gespeichert.

  • Frühwarnsignale: Welche Symptome zeigen, dass ein Tief beginnt? (Schlafveränderung, Appetit, Rückzug, Reizbarkeit)
  • Erste Schritte: Was tust du, wenn du Symptome bemerkst? (Therapeutin schreiben, Coordinator informieren, Aktivität bewusst halten)
  • Notfallkontakte: Therapeutin in Deutschland, Coordinator vor Ort, deutsche Eltern, lokale Krisennummer, Notfallnummer der Organisation.
  • Eskalationsstufen: Wann reicht das Tagebuch? Wann das Gespräch mit der Therapeutin? Wann wird Hilfe vor Ort gebraucht? Wann muss das Programm pausieren oder abgebrochen werden?

Hilfe finden im Gastland: Wer hilft wie?

Anlaufstelle Was sie kann Wie schnell erreichbar
School Counselor (USA, UK, AUS) Gespräche, Vermittlung, Schul-Akkommodationen Innerhalb 1–2 Tagen meist
Local Coordinator der Organisation Brücke zur Familie, Schule, Therapie-Vermittlung 24–48 Stunden
Hausärzt:in der Gastfamilie Diagnose, Rezept, Überweisung zu Spezialist:in Termin 1–3 Wochen typisch
Lokale Therapeut:in Reguläre Therapie vor Ort Wartezeit 2–8 Wochen
Krisenhotlines (988 USA, 116 123 EU) Akute Krisengespräche, Vermittlung Sofort, 24/7
Notaufnahme (911, 112) Bei akuter Suizidalität, Selbstverletzung Sofort

Was School Counselors leisten – und was nicht

An US-Highschools und in vielen UK/AUS-Schulen gibt es School Counselors. Sie sind nicht zwingend Psychotherapeut:innen, aber meistens psychologisch ausgebildet und können kurzfristige Gespräche anbieten. Sie sind kostenlos, niedrigschwellig und in Mental-Health-Themen geschult. Was sie können: Erstgespräche, niedrigschwellige Begleitung, Vermittlung zu externen Therapeut:innen, Anpassung des Schulalltags (z. B. weniger Hausaufgaben in einer schweren Phase). Was sie nicht können: Längerfristige Therapie, Medikamenten-Einstellung, akute Krisenbehandlung.

Was passiert, wenn die Gastfamilie nicht hilfreich ist?

Manche Gastfamilien reagieren auf psychische Probleme verständnisvoll, manche überfordert, manche ablehnend („just toughen up“). Du bist nicht abhängig von ihrer Unterstützung – wende dich direkt an Counselor und Coordinator. Mental-Health-Themen sind in deinem Programmvertrag fast immer als Verantwortlichkeit der Organisation definiert, nicht der Gastfamilie.

Wenn ein Programmabbruch die richtige Entscheidung ist

Ein Abbruch ist keine Niederlage. Das ist die wichtigste Botschaft dieses Abschnitts. Wenn deine psychische Gesundheit ernsthaft leidet und die Hilfe vor Ort nicht ausreicht, ist die Entscheidung, zurück nach Deutschland zu gehen, eine reife Selbstfürsorge-Handlung. Du tauschst nicht „Erfolg gegen Versagen“ – du tauschst „Risiko für deine Gesundheit“ gegen „Stabilität und Heilung“.

Wann ein Abbruch angemessen sein kann

  • Suizidgedanken oder Selbstverletzungsimpulse, die im Gastland nicht adäquat behandelt werden können.
  • Schwere Depression oder Angststörung, die trotz lokaler Hilfe nicht stabilisiert wird.
  • Akute Essstörung, die medizinische Betreuung braucht, die vor Ort nicht verfügbar ist.
  • Trauma-Reaktion auf ein Ereignis im Gastland (Übergriff, schwere Diskriminierung, traumatischer Verlust).
  • Wiederholte Kriseneskalationen ohne nachhaltige Stabilisierung.

Wie ein gesundheitlicher Abbruch konkret abläuft

  • Schritt 1: Therapeut:in in Deutschland und Local Coordinator informieren. Beide gemeinsam einschätzen lassen.
  • Schritt 2: Eltern parallel informieren – im selben Tag, nicht erst nach Tagen.
  • Schritt 3: Organisation in Deutschland kontaktieren. Sie kümmert sich um Rückflug-Logistik.
  • Schritt 4: Übergabe an die deutsche Therapieanbindung sicherstellen, bevor du fliegst.
  • Schritt 5: Versicherung kontaktieren. Manche Auslandsversicherungen tragen Kosten bei medizinisch notwendigem Rückflug, andere nicht – klär das vor der Abreise.

Was du nicht tun solltest

Eigenständig den Heimflug buchen, ohne Organisation und Therapeutin zu informieren: das gilt als Programm-Verstoß und kann zu Komplikationen führen. Den Abbruch verheimlichen oder als „Krankheit“ deklarieren, wenn es psychisch ist: das macht die Wiedereingliederung schwerer. Sich Vorwürfe machen: niemand bricht ein Auslandsjahr „aus Faulheit“ ab.

Nach der Rückkehr: Reverse Culture Shock und seine psychischen Wirkungen

Was viele unterschätzen: Die Rückkehr nach Deutschland kann psychisch fast so anspruchsvoll sein wie die Anreise ins Gastland – manchmal sogar mehr, weil niemand sie als „echte“ Herausforderung wahrnimmt. Du kommst aus einem intensiven Jahr zurück und findest eine Welt, in der dein Leben einfach weitergelaufen ist – ohne dich.

Typische Symptome des Reverse Culture Shocks:

  • Gefühl der Entfremdung von alten Freunden und Familie.
  • Sinnverlust, weil das „große Abenteuer“ vorbei ist.
  • Depressionsähnliche Phasen 2–8 Wochen nach der Rückkehr.
  • Identitätsfragen: „Wer bin ich jetzt?“
  • Trauer um das verlassene Gastland

Bei psychisch vorbelasteten Schüler:innen kann diese Phase eine Wiedererkrankung auslösen. Wichtig: Die Therapieanbindung in Deutschland frühzeitig wieder aufnehmen – idealerweise schon in den ersten 1–2 Wochen nach Ankunft, nicht erst, wenn Symptome zurück sind.

Hinweise für Eltern: Wenn dein Kind im Auslandsjahr psychisch leidet

  • Ernst nehmen, nicht relativieren: „Das wird schon, halt durch“ ist die häufigste falsche Reaktion. Lieber: „Ich höre dich. Lass uns Hilfe finden.“
  • Kein Druck zum Durchhalten: Wenn dein Kind ernsthaft leidet, ist Stabilität wichtiger als das Programm. Ein abgebrochenes Auslandsjahr ist besser als eine chronische psychische Erkrankung.
  • Mit der Organisation parallel sprechen: Manchmal sehen Eltern Dinge, die das Kind nicht sagt – und umgekehrt. Beide Seiten dürfen den Coordinator informieren.
  • Therapeutin in Deutschland einbinden: Sie kennt dein Kind und kann besser einschätzen, ob die aktuelle Phase normal oder besorgniserregend ist.
  • Kein Stigma aufbauen: Wenn dein Kind abbricht, hilft niemand mit „Aber wir haben so viel bezahlt“. Geld ist ersetzbar, Gesundheit nicht.

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Häufige Fragen zu psychischer Gesundheit im Auslandsjahr

Kann ich trotz Depression ein Auslandsjahr machen?
Ja, oft – wenn deine Erkrankung stabil ist, du gut auf eine Behandlung ansprichst und einen klaren Vorbereitungs- und Krisenplan hast. Nicht ratsam ist es bei aktiver, unbehandelter Depression, bei frischer Erstdiagnose (letzte 3–6 Monate) oder wenn du gerade in einer schweren Phase bist. Sprich die Entscheidung mit deiner Therapeut:in durch – sie ist die wichtigste Stimme dafür.
Muss ich der Austauschorganisation von meiner psychischen Erkrankung erzählen?
Empfehlung: ja, offen, aber strategisch formuliert. Verschwiegene Vorerkrankungen können später als Vertragsverletzung gelten und zum Programmabbruch ohne Rückerstattung führen. Eine sachliche Aussage wie „Ich war wegen Depression in Behandlung, bin seit 12 Monaten stabil und habe einen Krisenplan“ zeigt Reife und ermöglicht der Organisation gezielte Unterstützung. Seriöse Anbieter lehnen psychisch vorbelastete Schüler:innen nicht pauschal ab, sondern prüfen die Stabilität.
Kann ich meine Antidepressiva ins Ausland mitnehmen?
Ja, mit einer ärztlichen Bescheinigung in Englisch (Wirkstoffname, Dosis, Notwendigkeit). Originalverpackung mit Beipackzettel mitführen. Für 10–12 Monate Programmdauer einen ausreichenden Vorrat – meist sind 3-Monats-Pakete maximal möglich, dann muss nachgeschickt werden. Wichtig: Manche Medikamente (z. B. ADHS-Medikamente, einige Beruhigungsmittel) fallen unter das Betäubungsmittelgesetz und brauchen spezielle BfArM-Bescheinigungen. Mindestens 3 Monate vor Abreise mit Hausarzt klären.
Gibt es im Gastland Therapie für Austauschschüler:innen?
Ja, aber unterschiedlich gut erreichbar. School Counselors an US-Highschools sind kostenlos und schnell verfügbar (1–2 Tage). Externe Therapeut:innen haben Wartezeiten von 2–8 Wochen. Manche Auslandsversicherungen decken nur 5–10 Sitzungen ab – Versicherung vor Abreise prüfen. In Großstädten findest du oft deutschsprachige Therapeut:innen. Alternativ: Online-Therapie bei deiner Therapeutin in Deutschland weiterführen, wenn sie das anbietet.
Was tun, wenn ich im Auslandsjahr Suizidgedanken habe?
Sofort jemanden ansprechen. Erste Anlaufstelle: lokale Krisennummer (in den USA: 988, EU einheitlich: 116 123). School Counselor und Local Coordinator parallel informieren. Bei akuter Gefahr: Notaufnahme (911 USA, 112 EU). Deine Therapeut:in in Deutschland gehört zu den ersten Informierten – sie kennt deine Geschichte. Du musst diese Situation nicht alleine durchstehen, und das Auslandsjahr ist in dieser Situation nicht wichtiger als deine Sicherheit.
Welche Versicherung deckt psychische Erkrankungen im Ausland?
Nicht alle Standard-Auslandskrankenversicherungen tun das – manche schließen psychische Erkrankungen ganz aus, andere begrenzen Therapie auf wenige Sitzungen. Vor der Abreise gezielt fragen: Wie viele Sitzungen sind abgedeckt? Was kostet ein Krisenrückflug bei psychischer Notlage? Sind Vor­erkrankungen ausgeschlossen? Spezial-Versicherungen für Austauschschüler:innen (z. B. Care Concept, Hanse Merkur) decken oft mehr ab als Standard-Reiseversicherungen.
Ist es ein Versagen, das Auslandsjahr aus psychischen Gründen abzubrechen?
Nein. Ein gesundheitlich begründeter Abbruch ist eine reife Selbstfürsorge-Entscheidung. Statistisch brechen 2–8 % aller Austauschschüler:innen ab, ein erheblicher Anteil davon aus psychischen Gründen. Du tauschst nicht „Erfolg gegen Versagen“ – du wählst Stabilität über Risiko. Wichtig: den Abbruch gemeinsam mit Therapeut:in, Organisation und Eltern planen, nicht alleine entscheiden. Die Übergabe an die deutsche Therapieanbindung muss vor dem Rückflug stehen.

Wähle eine Organisation, die deine psychische Gesundheit ernst nimmt

Eine seriöse Austauschorganisation hat Erfahrung mit Schüler:innen, die psychisch vorbelastet sind, eine 24/7-Notfallnummer für Krisen und einen klaren Eskalationsweg. Bei der Wahl lohnt es sich, gezielt zu fragen:

  • Wie reagiert die Organisation auf psychische Krisen im Programm?
  • Welche Therapie-Vermittlung gibt es vor Ort?
  • Wie viele Schüler:innen mit psychischen Vorerkrankungen wurden im letzten Jahr betreut?
  • Welche Versicherung wird empfohlen – und deckt sie Mental-Health-Themen ab?

Wichtige Krisen-Hotlines auf einen Blick

Deutschland: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 (24/7, kostenlos) | Krisenchat krisenchat.de (Chat 24/7 für unter 25-Jährige) | USA: 988 Suicide & Crisis Lifeline (Anruf oder SMS) | Trevor Project für LGBTQ+-Jugendliche: 1-866-488-7386 oder SMS START an 678678 | Großbritannien: Samaritans 116 123 | Australien: Lifeline 13 11 14 | Im akuten Notfall überall: 112 (EU), 911 (USA, Kanada), 000 (Australien), 111 (UK/NZ). Notfallnummer deiner Austauschorganisation immer im Handy gespeichert haben.

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