In diesem Textauszug von Alexandra Alberts Buch “Ein Schuljahr in Neuseeland – Gastschüler an einer neuseeländischen High School.” erfährst Du alles darüber, wie die Neuseeländer leben. Was ist typisch für Neuseeland? Wie verbringen die Menschen ihre Freizeit und vieles mehr.

Sobald du in Neuseeland gelandet bist und das Wohnhaus der Gastfamilie betrittst, wirst du schnell merken, dass die Häuser und die Einrichtungen anders sind als das, was du von zu Hause kennst. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, ist jeder Neuseeländer danach bestrebt, in einem eigenen Haus zu wohnen. Das ist z. B. der Hauptgrund dafür, dass Städte wie Auckland und Wellington im Vergleich zu europäischen Großstädten flächenmäßig bedeutend größer sind. Es wird kaum in die Höhe gebaut, nur in Ausnahmefällen. In Stadtvierteln um die Innenstadt herum reiht sich ein Familienhaus mit Garten neben das andere. Platz gibt es bei der geringen Bevölkerungszahl ja auch genügend. Das macht das Wohnen sehr angenehm und bietet eine hohe Lebensqualität. Viele neuseeländische Haushalte haben den Wohnstil ihres ehemaligen Mutterlandes Großbritannien beibehalten. Eines ist jedoch anders: es gibt kaum Steinhäuser. Fast alle Wohnhäuser sind aus Holz, der Erdbebengefahr wegen. Aufgrund des Leichtbauens sind auch die Dächer selten mit Tonziegeln gedeckt. Vielmehr findet man Wellblech oder Bitumen- und versiegelte Pappbaustoffe. Diese Bauweise erweckt ein komplett anderes Stadtbild, etwas, was einem direkt bei der Ankunft ins Auge fällt. Da die wenigsten Häuser unterkellert sind, wohnt man auf einer oder auf zwei Etagen. Ältere Häuser haben auch schon mal drei Stockwerke. Die Räume sind nicht sehr groß, aber hell. Gerade der Wohnraum verfügt in der Regel über große Balkon- oder Terrassenfenster. Viele Neuseeländer hegen eine ausgeprägte Liebe zu dicker Auslegware, selbst im Bad. Eine Gewohnheit, die auch in England sehr verbreitet ist. Treppen und sämtliche Räume sind mit Teppichboden ausgelegt. Manche der Holz- und Regipswände sind tapeziert, viele nur gestrichen und einige mit Holz verkleidet. Oft findet man auch schönen Holzfußboden in neuseeländischen Häusern. Die Küchen sind meist sehr groß, die Bäder hingegen eher klein. Oft ist das Bad aus einem Plastikguss entstanden, auch der Erdbebengefahr wegen. Lichtschalter und Türklinken sehen in NZ anders aus als bei uns. Der Lichtschalter besteht meist nur aus einem kleinen Hebel. Klinken gibt es fast gar nicht. Die Neuseeländer benutzen Türknöpfe, wie die Briten und Amerikaner auch. Auch die Steckdosen sehen anders aus. Sie bestehen aus drei länglichen Schlitzen. Für deutsche Geräte benötigt man einen Adapter. Den kaufst du dir am besten vor Ort. Das spart Gewicht beim Hinflug. Der Adapter ist in NZ in vielen Elektroläden und Supermärkten erhältlich. Der Garten bzw. die Terrasse sind sehr wichtige Aufenthaltsorte für Neuseeländer. Neuseeländer sind »Draußen-Menschen«, sämtliche Aktivitäten werden am liebsten unter freiem Himmel durchgeführt. Deshalb ist dieser Bereich sehr sorgfältig und gemütlich hergerichtet. Ebenfalls wichtig ist der Schuppen oder ein Raum im Haus, in dem sämtliche Outdoor-Ausrüstungen, wie Stiefel zum Wandern, Gummistiefel, Laufschuhe, Mountainbike, Skier, Schubkarre, Gartenschläuche, manchmal sogar alte Autos usw. aufgehoben werden. Neuseeländer sammeln gern, sie improvisieren gern und gut und heben lieber ein Teil auf, um es anderweitig zu verwenden, bevor es weggeworfen wird. Auch das wird gern auf alte Siedlertraditionen zurückgeführt, da es zu Zeiten der Besiedelung für die Pioniere schwer war, Ersatzteile aus Übersee zu besorgen. Die isolierte Lage Neuseelands erlaubte die aufkommende Wegwerf- und Einkaufmentalität nicht. Da musste das her, was in irgendeiner Form schon existierte. Ein weiterer Unterschied, den viele Deutsche nach längeren Aufenthalten in Neuseeland verfluchen, sind die nur einfach verglasten Fenster, die im Winter und bei schlechtem Wetter jeden Windzug ins Haus lassen. Hinzu kommt, dass es kaum Haushalte gibt, die eine Zentralheizung haben. Dort wird ein kleiner Heizlüfter zum besten Freund des Hauses. In fast jedem Zimmer befindet sich ein strom- oder ölbetriebener Heizstrahler.

Aus: Ein Schuljahr in Neuseeland Alexandra Albert