Du willst wissen, wie die ersten Wochen deines Schüleraustausches in den USA sein werden? Dann liefert dieses Interview mit Nele die perfekten Infos für dich! Nele, erzählt von ihren letzten Vorbereitungen auf den Austausch, ihrer aufregenden Reise bis nach St. Geroge und von ihren spannenden ersten Tagen an der High School. Wichtige Themen sind auch Neles Schulfächer und wie sie mit Heimweh umgeht. Kurzum: Ein Interview das richtig Lust auf einen Schüleraustausch in den USA macht!

Jessi: Hallo, liebe Schüleraustausch-Community! Ich begrüße euch ganz herzlich zu unseren Schueleraustausch.de-Hangouts. In unseren Hangouts bringen wir zukünftige, aktuelle und ehemalige Austauschschüler zusammen, um ihre Erfahrungen mit euch zu teilen. Ich bin Jessi, ich war 2011/2012 ein Jahr in England und ich freue mich heute Nele bei mir begrüßen zu dürfen. Nele ist gerade in den USA und hat schon mal einen Hangout mit uns gemacht. Dort hat sie erzählt, wie sie sich auf ihren Austausch vorbereitet. Heute wird sie uns davon erzählen wir ihr Austausch angefangen hat und wie alles so läuft. Nele, vielleicht magst du dich nochmal kurz vorstellen?

Nele: Ich bin Nele, ich bin 16 und ich bin gerade für ein Jahr in Utah. Ich bin jetzt ungefähr seit eineinhalb Monaten hier und es macht einfach super viel Spaß!

Jessi: Ok, das klingt ja schon mal super! Dann fangen wir doch mal am Anfang an. Bevor du fliegen konntest brauchtest du ja ein Visum. Wie ist das mit dem Visum? Ist das kompliziert und was muss man alles dafür machen? Hast du das ohne Probleme bekommen?

Nele: Ja, ich habe mein Visum zum Glück ohne Probleme bekommen, aber man muss schon ein bisschen was dafür tun. So Anfang Juli kam ein ziemlich dicker Umschlag von Partnership International, wo die die Anleitung fürs Visum ausfüllen drin war. Es hat ungefähr, ich glaub, 1 bis 2 Stunden gedauert das auszufüllen. Man muss das online machen und am Ende muss man eine Bestätigung ausdrucken. Damit kann man eine E-Mail an das Konsulat schreiben und einen Termin ausmachen. Man kann entweder nach Berlin, Frankfurt oder München ins Konsulat. Ich musste nach Frankfurt. Bis man da in dem Gebäude drin war, war man, glaube ich, schon durch drei Sicherheitskontrollen durch und überall sind amerikanische Police Officers. In dem Gebäude drin war es sehr, sehr voll. Man muss überall anstehen und warten. Ich glaube, es hat bei mir ungefähr eine Stunde gedauert und das war schon ziemlich schnell. Schlussendlich habe ich eine oder zwei Wochen später mein Visum per Post bekommen und dann war auch alles gut. Aber es war auch jeden Fall schon ein bisschen Arbeit, bis man das dann hatte.

Jessi: Das ist ja gut, dass es bei dir alles so gut geklappt hat.

Nele: Ja.

Jessi: Du hattest ja in unserem letzten Hangout erzählt, dass du die Gastfamilie schon bekommen hast und du auch schon Kontakt mit denen hast. Wie war das denn mit dem Flug? Hat deine Organisation dich da irgendwie begleitet? Waren da auch andere Austauschschüler dabei?

Nele: Den ersten Flug, von Frankfurt nach Chicago, sind wir alle zusammen mit den anderen PPP-Stipendiaten geflogen. Wir kannten uns alle schon, deswegen waren die neun Stunden auch sehr, sehr lustig. Wir hatten auch noch einen Flugbegleiter von Partnership International dabei. In Chicago haben wir uns alle getrennt und sind in die Städte weitergeflogen, in die wir mussten. Bei mir ist kein anderer in die Region gekommen, weshalb ich alleine weiter nach Denver geflogen bin. Von Denver ging es dann auch alleine nach St. George. Es war auf jeden Fall teilweise echt stressig, weil Chicago der größte Flughafen der Welt ist und man da, wenn man sich alleine zurechtfinden muss, schon teilweise mal rennen oder sich irgendwo durchfragen muss. Ich habe so viele Leute gefragt, aber es waren auch alle total nett und haben mir geholfen. Es war also alles kein Problem.

Jessi: Ok.

Nele: Es war aber auf jeden Fall teilweise schon ein bisschen stressig, weil man seinen Flug natürlich auch nicht verpassen will. Mein Flug nach St. George, das ist hier eine relativ kleine Stadt, war auch noch der letzte Flug der an dem Abend ging und ich wollte den natürlich auf keinen Fall verpassen. Es war auf jeden Fall sehr aufregend und ich habe auch nicht eine Stunde geschlafen.

Jessi: Wie lange warst du denn unterwegs?

Nele: Ich war ungefähr so 22 oder 23 Stunden wach. Reichte dann auch! Mein letzter Flug von Denver von St George war außerdem noch relativ abenteuerlich. Ich war nämlich in einem ganz kleinen Flugzeug. Das hatte so 50 Plätze, davon waren 15 besetzt waren, und wir sind durch einen Monsunsturm geflogen. Hier in der Stadt, in der ich bin, regnet es ungefähr 3 bis 4 Mal im Jahr und dann aber richtig. Das war leider gerade so ein Tag und es hat gestürmt und geregnet wie verrückt. Wir saßen nur in unserer kleinen Maschine und haben uns gefühlt wie in einer Achterbahn. Es ging immer hoch, runter, links, rechts. Es war echt ein bisschen aufregend, aber letztendlich bin ich doch gut angekommen und von meiner Gastfamilie empfangen worden. Dann war das auch alles egal in dem Moment.

Jessi: Dann hattest du ja echt ein aufregendes Abenteuer mit dem Flug.

Nele: Das werde ich auf jeden Fall nicht vergessen!

Jessi: Deine Gastfamilie, hat die dich dann am Flughafen abgeholt?

Nele: Ja, genau. Meine Gastfamilie stand dann da. Die hatten ein Schild gebastelt und Luftballons besorgt und mich so in Empfang genommen. In dem Moment war ich auch nicht mehr müde oder irgendwas. Das war dann alles egal. Mein Local Coordinator war noch da, um mich zu begrüßen. Danach sind wir aber auch relativ schnell nach Hause gefahren und ich bin dann schlafen gegangen.

Jessi: Wie lange hast du gebraucht, um den Jetlag zu überwinden?

Nele: Eigentlich gar nicht lange. Nach der ersten Nacht war eigentlich schon alles gut. Ich bin, glaube ich, um 7 oder so morgens wieder aufgewacht. Von daher ging das dann eigentlich. Also klar, die ersten zwei, drei Tage ist man abends noch gut müde, aber nach den zwei, drei Tagen war auch alles ok. Es ist jetzt nicht so schlimm gewesen.

Jessi: Das ist ja super! Und wie waren die ersten Tage in der Gastfamilie?

Nele: Auf jeden Fall aufregend, weil irgendwie alles neu war und man die Leute noch nicht kannte. Deswegen war das noch irgendwie ein bisschen komisch, aber die haben mir auf jeden Fall sehr gut geholfen und ich habe mich schnell eingelebt. Die waren alle sehr nett. In den ersten Tagen möchte man immer nicht nachfragen, wenn man mal etwas nicht versteht oder, weil man das Gefühl hat, dass das jetzt eine dumme Frage ist. Aber das legt sich auch ganz schnell und man fragt einfach, weil man sich auch näher kennenlernt. Von daher dauert irgendwie eine bis zwei Wochen bis man sich auch eingelebt hat und dann geht das auch alles.

Jessi: Also verstehst du dich richtig gut mit deiner Gastfamilie?

Nele: Ja, meine Gastfamilie ist super nett.

Jessi: Das ist echt schön! Hattest du am Anfang Probleme mit der Sprache? Oder ging das einfach sofort, dass du dich da gut eingefunden hast?

Nele: Ich hatte jetzt nie riesen Probleme mit der Sprache. Klar, man weiß irgendwie mal Wörter nicht und muss das dann umschreiben oder dass vielleicht die Grammatik nicht ganz richtig ist, aber es hat mich immer jeder verstanden und ich habe eigentlich auch alles verstanden ‒ auch an der Schule. Ich bin relativ schnell schon zur Schule gegangen, schon eine Woche nachdem ich angekommen bin. Da hatte ich zum Glück auch nie riesen Probleme irgendwas zu verstehen. Man muss sich aber schon erstmal dran gewöhnen, die ganze Zeit Englisch zu sprechen. Das geht aber relativ schnell, auch weil man es jetzt überall hört, ob es jetzt im Fernsehen ist oder im Radio ist. Jeder spricht Englisch, die Filme sind alle auf Englisch. Man kommt da eigentlich ganz schnell rein. Ich hab das eigentlich auch noch von keinem gehört, dass man so riesen Probleme mit der Sprach hat oder so.

Jessi: Da ist ja schön. Du hast ja gesagt, du bist schon nach einer Woche zur Schule gegangen. Wie war das? Wie bist du da angekommen? Musstest du da erstmal Fächer wählen? Wie ist das abgelaufen?

Nele: Ich bin gleich den ersten Tag, nachdem ich hier angekommen bin, mit meiner Gastschwester, die auf meine Schule geht, zur Schule gefahren und habe meine Fächer gewählt. Ungefähr eine Woche später war schon mein erster Schultag. Das war auf jeden Fall unglaublich aufregend! Ich war so aufgeregt, weil man eben nie weiß wie das wird und wie die Leute sind und ob man da klarkommt. Ich hatte erstmal am Vormittag eine student orientation, die eigentlich für die neuen sophomores , die erst an die Schule kommen, ist, aber die neuen Schüler und Austauschschüler gehen da auch mit. Wir haben insgesamt noch 3 weitere Austauschschüler an meiner Schule. Danach ging es noch für jeweils 10 Minuten in jede von den Klassen, damit man den Lehrer und die Räume ein bisschen kennenlernt. Es ist eigentlich alles ganz entspannt gewesen. Die Leute sind alle super nett und kommen auch von selbst auf eine zu, wenn sie hören, dass man einen anderen Akzent hat oder so und fragen, wo man herkommt. Klar, man hört auch ein paar dumme Fragen, aber…

Jessi: Zum Beispiel?

Nele: …ob wir Autos in Deutschland haben, ob wir Tiere in Deutschland haben, ob Deutschland in Australien ist oder ob Deutsch überhaupt eine Sprache ist. Da kann man am Ende, wenn man es Ihnen erklärt, aber eigentlich auch ganz gut gemeinsam drüber lachen. Von daher geht das alles. Und wenn man irgendwie eine Frage hat oder so, hilft einem auch jeder oder sendet einem zu einem weiter, der was weiß oder so. Deswegen ist es eigentlich alles ganz entspannt gewesen.

Jessi: Schön! Also hast du schon Freunde gefunden?

Nele: Ja, auf jeden Fall. Die meisten sind natürlich in meinem Schwimmteam, weil wir jeden Tag zwei Stunden miteinander verbringen. Die Leute vom Team sind zum Glück alle total nett. Auch in der Schule, wenn wir Lunch haben oder so, essen wir alle zusammen und unterhalten uns.

Jessi: Das freut mich für dich, dass du da schon so gut angekommen bist. Welche Fächer machst du denn in der Schule?

Nele: Bei uns muss jeder Language Arts, also Englisch, Mathe und US History machen. Außerdem habe ich food and nutrition, wo wir lernen, wie man kocht und was so ins Essen reinkommt oder was nicht funktioniert. Das ist immer ganz witzig. Dann habe ich noch Biologie, weil man auch eine Wissenschaft nehmen muss. Folks medicine habe ich auch noch, da lernt man was so im Körper abläuft und so. Ich habe tatsächlich für das erste Semester noch Deutsch gewählt, weil ich meinem Lehrer helfen sollte zu unterrichten. In diesem Halbjahr werden nämlich zwei Deutschkurse geben und wir haben nur einen Lehrer. Es hilft einem aber tatsächlich auch Englisch zu lernen, weil man die Wörter manchmal auf Englisch erklären muss. Von daher hilft es auch eigentlich.

Jessi: Also bist du jetzt quasi auch schon Lehrer an deiner Schule?

Nele: Ja, so halb. Also, ich helfe ihm halt.

Jessi: Das war ja ein schneller Aufstieg.

Nele: Ja, und dann habe ich noch finance. Das müssen hier auch alle Schüler machen und da lernt man wie man mit Geld umgeht oder wie das alles funktioniert. Das ist eigentlich auch ganz hilfreich.

Jessi: Das klingt auf jeden Fall alles viel alltagsbezogener als die deutsche Schule, würde ich mal so sagen.

Nele: Ja, auf jeden Fall! Es gibt ja auch immer die akademischen Fächer, wobei dadurch dass die die High Schools Gesamtschulen sind, ist es jetzt vom Niveau her nicht wie auf einem deutschen Gymnasium. In Mathe zum Beispiel habe schon nicht die unterste Stufe der Klasse gewählt und es sind immer noch Sachen, die wir in der 8./9. Klasse gemacht haben. Aber es macht auf jeden Fall einfach total viel Spaß, weil man eben diese ganzen fun classes hat, die komplett anders sind als die in Deutschland. Wer hat in schon in der Schule in Deutschland 8 schuleigene Küchen für Schüler, wo man dann irgendwie kocht und das alle zwei Tage? Nächstes Halbjahr habe ich dann noch Fotografie, wo man lernt wie man Fotos bearbeitet und sowas. Das sind schon andere Fächer als in Deutschland und deswegen ist es eigentlich schon echt cool.

Jessi: Ja, das klingt auf jeden Fall echt spannend! Ich glaub, dann macht es auch echt Spaß in die Schule zu gehen, wenn man so coole Fächer hat und wenn man wirklich so viel lernen kann, was nicht schultypisch ist für uns Deutsche.

Nele: Ja, auf jeden Fall. Es ist mal etwas komplett anderes, zum Glück.

Jessi: Hattest du denn schon [Heimweh][/a/221)?

Nele: Ehhhmmm.

Jessi: Hattest du viel Kontakt zu deiner Familie?

Nele: Tatsächlich hatte ich noch kein Heimweh. Ich habe mit meiner Familie schon Kontakt, aber jetzt nicht zu viel. Zu viel ist ja tatsächlich auch nicht so gut, aber ich versuche das im Rahmen zu halten. Ich habe halt noch einen kleinen Bruder, der ist halt 9. Klar vermisst er mich total! Es ist nicht so, dass ich sie nicht vermisse, aber für mich gibt es da noch einen Unterschied zwischen vermissen und wirklich Heimweh haben. Natürlich denkt man in manchen Situationen, wenn man auch in der Schule sitzt, es ist irgendwie langweilig ist, man gerade mal etwas nicht versteht oder mal was nicht weiß, dass man denkt: „Ja, ich könnte jetzt auch in Deutschland sitzen.“ und im nächsten Moment guckt man aus dem Fenster und denkt dann „Nee, will ich aber gar nicht, irgendwie.“ Die haben da zwar ihr Leben, aber die haben jetzt auch nicht so ein aufregendes Jahr, was sie machen dürfen. Von daher ist es dann auch ganz schnell wieder vorbei bei mir. Eigentlich habe ich auch gar keine Zeit da so wirklich drüber nachzudenken, weil ich unter der Woche immer Schwimmen direkt nach der Schule habe und am Wochenende unternehmen wir meistens was mit der Familie. Von daher ist da auch eigentlich gar nicht so die Zeit zu.

Jessi: Ok, das ist echt super, das freut mich wirklich! Ich meine, klar ist es normal, dass man die Leute von zu Hause vermisst, aber wenn man kein Heimweh hat, dann ist das, glaube ich, alles ganz gut zu ertragen und dann macht es auch richtig Spaß.

Nele: Ja, auf jeden Fall.

Jessi: Du wirst ja sehen, ob du dann um Weihnachten rum mal Heimweh kriegst. Das geht, glaube ich, den meisten Austauschschülern so. Das gehört halt dazu.

Nele: Ja.

Jessi: Ja, dann dir vielen Dank erstmal, dass du uns das alles erzähl hast und wir dich bei deinem Austauschjahr so ein bisschen begleiten dürfen. Wir reden bestimmt mal wieder miteinander, denke ich. Ich wünsche dir erstmal noch viel, viel Spaß und alles Gute für die nächsten Monate.

Nele: Dankeschön.

Jessi: Genieß die Zeit! Vielen Dank und bis zum nächsten Mal!

Nele: Das werde ich tun!

Jessi: Tschüss!

Nele: Tschüss!

Bist du neugierig auf Neles Schüleraustausch in den USA geworden und hast eine Menge Fragen an sie? Dann geh in unser Forum auf schueleraustausch.de. Dort ist das Video auch zu finden und du kannst deine Fragen direkt unter das Video in das Forum posten. Nele steht dir gerne Rede und Antwort! Willst du selbst mal bei einem unserer Hangouts mitmachen? Dann freuen wir uns, wenn du uns an info@schueleraustausch.net eine Mail schreibst oder unserer Facebookgruppe ‚Schüleraustausch Hangouts‘ beitrittst. Wir freuen uns sehr, wenn du deine Erfahrungen mit uns und der Schüleraustausch-Community teilst!