Bist du ein Kandidat für einen Schüleraustausch in den USA? Dann helfen dir die Erfahrungen von Friederike sicher bei deiner Entscheidung weiter. Von Friederike erfährst du in diesem Hangout alles rund um ihre Erfahrungen als Austauschschülerin in den USA. Sie erzählt wie es ihr als Austauschschülerin ergangen ist und klärt deine Fragen rund um das Thema Land, Leute und Kultur: Wie sind die Amis und was sind die kulturellen Unterschiede zu den Deutschen? Wie ist die Schule in den USA? Was ist dort anders? So weißt du, was dich bei deinem Schüleraustausch USA erwartet und natürlich kriegst du noch exklusive Tipps von Friederike!

Erfahrungsbericht USA

Jessi: Hallo, liebe Schüleraustausch-Community! Ich begrüße euch ganz herzlich zu unserem Schueleraustausch.net-Hangout. In unseren Hangouts bringen wir ehemalige und zukünftige Austauschschüler zusammen und teilen ihre Erfahrungen mit euch. Ich bin Jessi, ich war 2011/2012 ein Jahr in England und ich freue mich heute Friederike als ehemalige Austauschschülerin bei mir begrüßen zu dürfen. Sie ist nun schon das zweite Mal dabei. Heute soll es um die USA als Gastland gehen. Friederike war in den USA und wird uns ein bisschen was über Land, Leute und Kultur erzählen. Ich würde vorschlagen, du stellst dich erstmal kurz vor.

Friederike: Ich bin Friederike, ich habe das vergangene Jahr, wie gesagt, in den USA in Pennsylvania in der Pittsburgh-Region verbracht und ich bin jetzt seit einem Monat wieder zu Hause.

Jessi: Hast du dich wieder gut eingelebt?

Friederike: Ja.

Jessi: Das ist schön. Meine erste Frage: Was waren deine Erwartungen an das Land bevor du in das Austauschjahr gestartet bist? Warum hast du dir die USA als Land ausgesucht?

Friederike: Ich habe mir erstmal selbst diese zentrale Frage gestellt: „Warum mache ich ein Austauschjahr und was erwarte ich von dem Land in das ich gehe?“ Ich war davor schon mehrmals in den USA im Urlaub und mir haben einfach die Mentalität und die Leute da gefallen. Man sieht ja auch immer diese Filme und dieses ganze High School Drum und Dran, man hört Geschichten und einfach dieser Spruch ‚Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten‘. Das alles hat mich einfach mega gereizt das Land näher kennenzulernen und mal richtig hinzugehen.

Jessi: Wie waren deine Erwartungen mit der Schule? Ist das wirklich so, wie man das von Musical-Filmen kennt?

Friederike: Ja, schon ein bisschen.

Jessi: Jetzt bist du ja wieder da und hast ein ganzes Jahr in den USA verbracht. Was würdest du sagen, ist ganz charakteristisch für die USA? Welche kulturellen Unterschiede sind dir vor allem im Unterschied zu Deutschland aufgefallen?

Friederike: Ich finde grundsätzlich, dass die Menschen total anders sind. Wenn du hier in Deutschland, um ein Beispiel zu geben, in den Supermarkt gehst, dann machst du deinen kleinen Einkauf und wenn du ein paar Fragen hast, gehst du vielleicht zu einem Supermarktmitarbeiter. In den USA ist das ganz anders. Die sind viel offener und viel selbstbewusster. Das habe ich direkt in der ersten Woche erlebt. Da hat jemand meine Gastmutter angesprochen: „Haben sie schon mal diese Bananen ausprobiert, was halten Sie von den Bananen?“. Und ich dachte mir nur so: „Hä? In Deutschland würde man das überhaupt nicht tun!“ Also, einfach aufeinander zugehen und diese Offenheit, die da herrscht. Das ist einfach ein ganz anderes Flair, weil die Leute da ganz anders miteinander umgehen.

Jessi: Du warst da ja logischerweise auch in der Schule. Wie ist es da in der Schule? Was ist da anders?

Friederike: Also, insgesamt ist die Schule schon anders als hier. Es ist schon ähnlich wie in den Filmen. Vom System her kann man das eigentlich mit unserer gymnasialen Oberstufe vergleichen, wegen dem Kurssystem und der Punktebewertung. Aber in der Schule hier in Deutschland geht es schon sehr um die Schule an sich und in den USA geht auch sehr viel um den ‚school spirit‘, also den schulischen Zusammenhalt. Man ist sehr stolz auf seine Schule und man trägt auch Shirts von der eigenen Schule. Auch Sport wird da ganz groß geschrieben. Hier in Deutschland geht es ja wirklich nur ums Lernen und mit seiner Klasse dahingehen.

Jessi: Ich kenn das, dass man morgens in den USA solche gemeinsamen Versammlungen hat, wo dann der Schulleiter spricht oder so. Hattet ihr sowas an deiner Schule?

Friederike: Ja, wir hatten einen eigenen Sender. Der kam jeden Morgen im ‚homeroom‘, etwa 20 Minuten nach der ersten Stunde. Da wurden die Nachrichten vorgelesen und unser Schulleiter war auch manchmal dabei. Was auch ganz wichtig ist, jeden Morgen sich hinzustellen, die Hand aufs Herz zu legen und den ‚Pledge of Allegiance‘, aufzusagen. Also, auf Deutsch heißt das der Treueschwur für die Vereinigten Staaten von Amerika. Jeden Morgen wurde der mit vollem Ernst dann vor der Flagge gesprochen. Das würde in Deutschland auch nicht passieren. Also, dieser Stolz der Nation, der ist schon definitiv zu spüren.

Jessi: Hat die ganze Schule den zusammen aufgesagt oder wurde das nur im Klassenraum gemacht?

Friederike: Im Klassenraum. Also, jeder Raum hat ja generell in den USA eine Flagge und man muss sich hinstellen, die Hand aufs Herz legen und die Flagge angucken. Es wird nicht geredet, das wird da wirklich sehr, sehr ernst genommen.

Jessi: Das können wir uns hier in Deutschland, glaube ich, nicht vorstellen, wie das ist.

Friederike: Nein.

Jessi: Du hast ja gesagt, dass Sport auch wichtig ist. Hast du selber auch Sport gemacht?

Friederike: Ich nicht. Ich war an einer Schule, die ziemlich gut war was Sport betrifft und da gab es richtige ‚trials‘, wo du wirklich hart für arbeiten musstest. Wenn du da in einem Sportteam sein möchtest, musst du wirklich von klein auf Sport treiben. Das habe ich hier in Deutschland nicht gemacht, deswegen bin ich in kein Sportteam reingekommen.

Jessi: Hattest du dadurch Nachteile, dass du nicht dabei warst? Die Sportler wurden ja ein bisschen als Helden gefeiert, oder?

Friederike: Stimmt schon. Aber selbst wenn man keinen Sport macht in der Schule in den USA macht werden sehr viel Kurse und Clubs, nach der Schule angeboten, auf die man ausweichen kann. Das ist da nicht so ‚uncool‘ wie in Deutschland. Das wird auch wirklich genutzt und da kann man auch große Erfolge feiern. Da wird einem auch gratuliert, wenn man das macht. Ich hab zum Beispiel einen Schauspielkurs gemacht und da wurde einem gratuliert nach den Vorstellungen. Du wirst dafür auch ‚gefeiert‘. Zwar nicht so sehr wie im Sport, aber du siehst schon Anerkennung für die Leistung.

Jessi: Ja, das ist ja voll gut. Der Zusammenhalt ist, glaube ich, echt was, was man sich wünschen sollte und was in Deutschland manchmal ein bisschen fehlt, ne?

Friederike: Ja.

Jessi: Hattest du eine Prom?

Friederike: Ja, ich hatte auch eine Prom. Das war auch eine ganz große Sache. Hier in Deutschland, wenn man an den Abiball denkt, ist das eher so, dass du hingehst, dich ein bisschen hübsch anziehst, deine Eltern kommen und du dein Zeugnis kriegst. In den USA ist das der Hammer! Man hat erst einen Frisörtermin, einen Termin im Nagelstudio, das Kleid wird einem angefertigt, die Eltern engagieren einen Fotografen und man fährt in einer Stretchlimo dahin. Das ist wirklich komplett und zu hundert Prozent wie man es sich in den Filmen angucken kann.

Jessi: Das ist ja voll cool! Quasi die Nacht deines Lebens!

Friederike: Ja!

Jessi: Das ist ja voll cool, dass du das miterleben konntest und das Gefühl mal haben konntest, wie das so ist! Du hast ja schon ein paar andere Sachen angesprochen, wie zum Beispiel das mit der Flagge. Wie sind denn die Menschen in den USA? Was sind die Unterschiede zu den Deutschen? Es gibt ja so klassische Vorurteile. Siehst du die bestätigt?

Friederike: Ich muss ehrlich sagen, ich habe das Gefühl, die Vorurteile sind fast alle ziemlich falsch. In den Filmen sieht man immer, dass die Amerikaner sehr oberflächlich sind, natürlich alle fett sind und Fast Food essen. Ich habe was ganz anderes erlebt. Ich habe wirklich eine große Akzeptanz erlebt und dass Menschen dich so annehmen, wie du bist. Beispielsweise wird Glauben hier in Deutschland nicht mehr so groß geschrieben. Wenn du zum Beispiel sagst, dass du christlich bist und an Gott glaubst, finden viele Leute das lächerlich. In den USA ist das wirklich so, dass die sagen: „Krass, ich beneide dich total, dass du was hast, an das du glauben kannst.“. Und egal wie du dich anziehst oder wie du bist, die Leute sind sagen einfach: „Hey, cool, dass du so bist wie du bist!“ Und wenn sie dich nicht mögen, gehen sie dir einfach aus dem Weg. Da kommen auch nicht so Lästereien, wie sie es hier bei uns in den Schulen gibt und man immer denkt: „Das muss doch nicht sein!“.

Jessi: Ein sehr tolerantes Volk, oder?

Friederike: Ja, sehr tolerant. Das hat mich wirklich total positiv überrascht und mich mega gefreut.

Jessi: Du warst jetzt ja nur an einem Ort. Aber denkst du, dass es in den USA auch Unterschiede bezüglich der Offenheit zum Beispiel zwischen Nord und Süd gibt? Es gab ja auch schon in der Geschichte diese Nordstaaten-Südstaaten-Unterschiede.

Friederike: Ich denke schon, dass es da Unterschiede gibt. Es hat auch viel damit zu tun gehabt, dass ich an einer relativ guten Schule war. Ich glaube, da hatte ich auch einfach Glück. Ich kann mir vorstellen, dass es an anderen Schulen total anders ist. Aber, ich bin auch rumgereist. Ich bin zwar nicht komplett in den Süden oder Westen rein, aber da in der Region, in der ich war, habe ich so ziemlich das gleiche erfahren. Ich war ja auch an anderen Schulen einfach nur so für ein Wochenende oder um sie mir mal anzugucken. Klar, es kommt auch darauf an, wo man hinkommt, aber in meiner Region habe ich wirklich viel Akzeptanz und Toleranz erlebt.

Jessi: Das ist voll schön! Dann ist es auch relativ leicht gefallen da Freunde zu finden, wenn die Leute so offen sind, oder?

Friederike: Definitiv!

Jessi: Eine Frage an dich hätte ich noch zum Schluss: Hättest du noch Tipps für Leute, die gerne einen Schüleraustausch machen wollen und die mit dem Gedanken spielen in die USA zu gehen? Was würdest du den Leuten gerne mit auf den Weg geben?

Friederike: Man weiß natürlich nicht, wie es wird und man hat Erwartungen, auch wenn man sich selbst sagt: „Ich will keine Erwartungen haben.“. Am Anfang hat man oft das Gefühl, dass man ein bisschen überwältigt ist von allem. Trotzdem man muss einfach auf die Leute zugehen. Die Leute da sind, wie gesagt, viel toleranter und wenn du auf die Leute zugehst und sagst: „Hey, ich bin Austauschschüler und kenne noch nicht so viele Leute.“, sind die ganz anders als hier in Deutschland. Hier in Deutschland guckst du die Leute an und sagst: „Ok, und warum sprichst du mich jetzt an?“ Da kommt eher die Reaktion: „Voll cool, kannst du mal ein bisschen was erzählen?“ Also, einfach auf Leute zugehen, offen sein und alles mitmachen. Wenn man zum Beispiel gefragt wird „Hey, hast du nicht Lust mit uns heute Nachmittag ins Kino zu gehen?“ Sag einfach „Ja!“, auch wenn du keine Lust hast. Es wird ein toller Abend, bei mir ist es immer so gewesen.

Jessi: Das ist, glaube ich, ein echt wichtiger Tipp, den man beherzigen muss, wenn man da ein gutes Jahr haben will. Damit sind wir auch schon wieder am Ende unseres Hangouts angekommen. Ich danke dir vielmals, dass du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast und mit uns über die USA gesprochen hast. Ich glaube, das ist immer nochmal ein Unterschied, ob man den ganzen Stereotypen über die USA von allen Seiten hört oder ob man jemanden hört, der wirklich da war und wirklich weiß wie es ist. Vielen Dank, Friederike und noch einen schönen Abend!

Friederike: Tschüß!

Bist du neugierig auf Friederikes Schüleraustausch in den USA geworden und hast eine Menge Fragen an sie? Dann geh in unser Forum auf schueleraustausch.de. Dort ist das Video auch zu finden und du kannst deine Fragen direkt unter das Video in das Forum posten. Friederike steht dir gerne Rede und Antwort! Willst du selbst mal bei einem unserer Hangouts mitmachen? Dann freuen wir uns, wenn du uns an info@schueleraustausch.de eine Mail schreibst oder unserer Facebookgruppe ‚Schüleraustausch Hangouts‘ beitrittst. Wir freuen uns sehr, wenn du deine Erfahrungen mit uns und der Schüleraustausch-Community teilst!