“Ein Schuljahr in Neuseeland – Gastschüler an einer neuseeländischen High School.” von Alexandra Albert gibt Dir wissenswerte Fakten rund um das Thema Gastfamilie. Wie wählt die Orga die richtige Gastfamilie für dich aus? Was musst Du beachten im Zusammenleben mit der neuseeländischen Gastfamilie und vieles mehr, erfährst Du hier.

In jedem Beratungsgespräch erkennt der Veranstalter die Bedeutung der Gastfamilie sowohl für die Schüler als auch für die Eltern. Die Gastfamilie stellt den zentralen Dreh- und Angelpunkt im High-School- Programm dar. Fragen wie: »Wann erfahren wir die Adresse, kennen Sie die Familien persönlich, wie wählen Sie die Gastfamilien aus?« etc. tauchen in jedem Gespräch auf. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Das eigene Kind wird das Zuhause auf Zeit verlassen, wer kümmert sich dann um alles? Ist das Kind gut versorgt? Wer trägt die Verantwortung?

Ein paar Stichpunkte zur Organisation der Unterbringung: Wie oben kurz erwähnt gibt es zwei Formen der Familiensuche. Einige Veranstalter suchen Gastfamilien, die den Gastschüler kostenfrei unterbringen. Andere Organisationen suchen Gastfamilien, die wöchentlich eine Pauschale für Miet- und Verpflegungskosten erhalten. Manche Organisationen, die weltweit operieren, haben in Neuseeland eine eigene Filiale, die die Verwaltung sowie die Platzierung an den Schulen und in den Familien selbst vornimmt. Diese Organisationen betreuen die Schüler vor Ort und stehen bei Rückfragen und Problemen zur Verfügung, falls es zu Komplikationen kommt. Andere Veranstalter, die direkt mit den High Schools zusammenarbeiten, stehen in direktem Kontakt mit dem International Manager. An manchen High Schools ist dieser auch für die Gastfamiliensuche und -betreuung zuständig. An anderen Schulen wiederum kümmert sich eine Homestay-Agentur darum, die eng mit dem International Manager kooperiert. Je nach Struktur ist entweder der International Manager oder der Homestay Coordinator als Betreuer und Ansprechpartner vor Ort für die Schüler aus Übersee zuständig. Beide helfen, wenn Probleme auftreten oder ein Familienwechsel vollzogen werden muss. Die Schulen, Organisationen und Agenturen in Neuseeland schreiben ihr Gastfamilien-Gesuch aus, stellen die Programme an Elternabenden vor und geben Anzeigen in Bildungsrubriken der Tagespresse auf, um Familien zu finden, die für mehrere Monate oder Jahre bereit sind, einen Schüler aus Übersee aufzunehmen. Interessiert sich eine Familie für ein solches Programm, wird sie von der Agentur oder der Schule geprüft. Die Familien müssen sich einem Bewerbungsverfahren unterziehen, der Haushalt und Wohnraum sowie die sozialen Verhältnisse werden auf Tauglichkeit überprüft. Sollten alle Kriterien erfüllt sein, wird ein Vertrag aufgesetzt, in dem alle Rechte und Pflichten aufgeführt sind. Die High Schools und Sprachveranstalter vor Ort sind stets bemüht, auf die Wünsche der Bewerber einzugehen und diese zu berücksichtigen. Sei es, der Schüler spielt ein Instrument, ist Vegetarier, Leistungssportler o. ä. Auch die Art der Familie kann vorher mitbestimmt werden. Eine Gastfamilie entspricht nicht automatisch einer klassischen Kernfamilie mit Vater, Mutter, Kind. Es gibt auch Ehepaare, deren Kinder schon erwachsen sind und außer Haus leben, die einen Gastschüler aufnehmen möchten. Oder Alleinerziehende, Paare mit Kindern und ohne, Familien mit kleinen Kindern oder mit gleichaltrigen. Die meisten Schulen bieten bei der Bewerbung die Möglichkeit, seine Wunschvorstellungen betreffend der Familie anzugeben. Das trifft aber nicht bei allen zu. Überdies kann niemand garantieren, dass die Familie in der Nähe der Schule wohnt, was häufig als Wunsch in der Bewerbung geäußert wird. Die Organisationen bemühen sich, darauf Rücksicht zu nehmen, aber auch zu Hause wohnen nicht alle Jugendlichen um die Ecke der Schule. Oft liegen die Schulen gar nicht in einem Wohngebiet. Anfahrtswege zu Freizeitstätten und zur Schule sind eigentlich die Regel und sollten einkalkuliert werden (auch finanziell). Zudem gibt es Gastfamilien, die mehr als einen Gastschüler aufnehmen. Dieser Gedanke schreckt viele Bewerber erst einmal ab, dennoch berichten die meisten Schüler, die in einer solchen Familie untergebracht sind, nur Positives. Denn einen Vorteil hat eine solche Wohnsituation: du bist von Anfang an nicht allein, sondern wohnst mit Gleichaltrigen zusammen, die auch aus dem Ausland kommen und meistens dieselbe Schule besuchen. Oft entstehen enge Freundschaften. Es gibt aber auch Fälle, wo das Miteinander nicht so gut klappt, weil man sich persönlich nicht versteht oder der andere Schüler aus einem völlig anderen Kulturkreis kommt und der Zugang schwierig ist. Sollte ein Miteinander überhaupt nicht funktionieren, kann ein Familienwechsel veranlasst werden. Den Erfahrungen nach verläuft eine Doppelbelegung in der Regel jedoch sehr gut. Alle Beteiligten legen großen Wert darauf, dass die Jugendlichen in ein Umfeld kommen, in dem sie sich wohlfühlen. Was dabei nicht garantiert ist, ist der Erfolg einer Integration sowie das persönliche Miteinander. Oft stimmt eben einfach die Chemie zwischen den Personen nicht.

Aus: Ein Schuljahr in Neuseeland Alexandra Albert